KI-Literatur: Warum wir keine Bücherverbrennung, sondern eine Debatte brauchen

Eine kritische Illustration zum Thema KI-Literatur: Eine Person sitzt vor einem Computer, während eine wütende Menge auf dem Bildschirm mit Büchern in den Händen „LIES! – FAKE!!!“ ruft. Im Vordergrund liegt ein Buch mit dem Aufdruck „AI“, das die Debatte um KI-generierte Texte symbolisiert.

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich wieder mit Threads – und ich bin auch an diesem Wochenende erneut irritiert über die Radikalität mancher Nutzer. Diesmal geht es um ein Buch oder genauer gesagt um einen Autor, dem vorgeworfen wird, sein Werk mit KI geschrieben zu haben. Die Entrüstung ist groß. Man habe bereits Thalia kontaktiert, heißt es, um Klärung zu schaffen. Soll das Buch aus dem Sortiment entfernt werden? Oder geht es darum, den Autor bloßzustellen?

Ich frage mich: Was ist hier das eigentliche Ziel? Soll dieses Buch verbannt werden? Oder gar verbrannt? Es fühlt sich an wie der Beginn einer neuen Hexenjagd, bei der Menschen an den Pranger gestellt werden, nur weil sie KI zum Schreiben nutzen. Als wäre die Verwendung eines Werkzeugs an sich schon verwerflich. Als könnte man an stilistischen Eigenheiten oder ungewöhnlichen Formulierungen moralische Schuld ablesen.

Die Rhetorik ist klar: Diese Autoren soll man öffentlich vorführen, damit alle sehen, wer es wagt, mit maschineller Unterstützung zu arbeiten. Der Vorwurf liegt in der Luft: Du bist kein echter Autor. Du bist ein Betrüger. Ein Scharlatan.

Doch warum eigentlich? Weil man sich moralisch überlegen fühlt. Weil man die Art, wie KI-Modelle trainiert werden, ablehnt. Weil die Frage der Vergütung ungeklärt ist. Weil die eigene Zukunft bedroht scheint und die Existenz auf dem Spiel steht. Das kann ich nachvollziehen. Die Angst ist real, die Unsicherheit berechtigt.

Doch rechtfertigt das eine Hetze gegen Menschen, die mit KI Bücher schreiben?

Die Folgen der KI-Bücherflut habe ich bereits in einem Artikel für den Buchmarkt beschrieben. Schlechte Bücher braucht niemand – das steht außer Frage. Aber ob ein Buch schlecht ist, sollten die Leser entscheiden, nicht eine selbsternannte Bücherpolizei, die ohne Beweise Autoren in sozialen Medien an den Pranger stellt. Stilistische Besonderheiten wie Gedankenstriche werden gerne als vermeintlicher Beweis für KI-Urheberschaft herangezogen, als wären sie ein eindeutiges Indiz.

Vieles im Zusammenhang mit KI ist noch unzureichend geregelt. Die Fragen nach Urheberrecht, fairer Vergütung und Transparenz sind offen und drängend. Doch das rechtfertigt nicht das Verhalten selbsternannter KI-Jäger, die sich als Hüter literarischer Reinheit aufspielen.

Die Pferdekutscher haben die Dampfmaschine auch nicht aufgehalten.

Technologische Umbrüche sind schmerzhaft. Sie bedrohen Existenzen, stellen Gewohnheiten infrage und zwingen uns, uns neu zu erfinden. Doch sie lassen sich nicht durch Empörung oder öffentliche Bloßstellungen stoppen. Die Frage ist nicht, ob KI beim Schreiben genutzt wird, sondern wie. Und ob am Ende etwas Lesenswertes entsteht.

Das zu beurteilen, sollten wir den Lesern überlassen – nicht einer aufgebrachten Gruppe, die sich im Recht wähnt, weil sie glaubt, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

P.S.: Das Beitragsbild ist mit KI generiert worden. Es ist für mich eine Möglichkeit Beiträgen eine visuelle Note zu geben.

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