Ich saß am Neujahrsabend vor dem Fernseher, glücklicherweise wenig verkatert, und sah zu, wie das Traumschiff gen Südafrika schipperte. Eine Folge, die auf ziemlich dünnem Eis durch den Abend glitt – und das meine ich wörtlich. Denn während Kapitän «Flori» mit dem GZSZ-Star Valentina Pahde plauderte und das Schiff angeblich irgendwo in der Sonne ablegte, zogen im Hintergrund schneebedeckte Berge am Vergnügungsdampfer vorbei.
Damit hätte ich noch leben können.
Aber dann kamen zwei Menschen mit Selbstmordabsichten, die slapstickhaft für Heiterkeit sorgen sollten. Oder wollte das ZDF-Team ernsthaft mit dieser platten Nummer der ausgezogenen Schuhe auf seelische Erkrankungen aufmerksam machen? Sollte das der Fall gewesen sein: totaler Reinfall. Vor allem, weil sich die «Selbstmordgang» am Ende für einen theoretischen weiteren Abgang ein Jahr später am gleichen Ort verabredet hat. Da nutzte auch die dreisekündige Einblendung der Notrufnummer gegen Depressionen nichts.
Das Drehbuch hatte noch weitere Lowlevel-Highlights zu bieten.
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Zwei knutschende Teenager, die demnächst Brüderchen und Schwesterchen in einer neuen Patchworkfamilie darstellen würden, konnten die feuchten Träume von Fans inzestiöser Erwachsenenunterhaltung freundlich anregen. Dass Schiffskapitän Parger nicht nur mit wenig Wasser unterm Kiel klarkommt, sondern auch mit einem defekten Flugzeug aus der Ersten-Weltkrieg-Mottenkiste – das wunderte mich nicht mehr. Zur Belohnung durfte er dann noch ein wenig an «Frau Doktor» rumschrauben, die sich der Arbeit im Safarihospital verschrieben hat.
Und wie es sich gehört, wusste bereits das gesamte Führungsteam des Traumschiffs über Kapitän Floris Morgenlatte Bescheid und konnte wie immer grenzdebil der Rede beim Abschlussdinner folgen. Die Gläser wurden angestoßen – auf eine gelungene Versenkung von Gebührenkohle.
Man muss schon ein Fan des Traumschiffs sein, um nicht komplett traumatisiert am Neujahrsabend ins Bett gefallen zu sein. Ich bin es jedenfalls. Und das lag nicht am Sekt.
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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen
Die Darstellung von Suizidabsichten als slapstickhafte Komödienelement in der Traumschiff-Neujahrsfolge verfehlt jeden ernsthaften Aufklärungsanspruch und ist als Umgang mit dem Thema psychische Erkrankung kontraproduktiv — die kurze Einblendung einer Depressions-Notrufnummer ändert daran nichts.
gilt · seit 03.01.2026
Die Neujahrsfolge des ZDF-Traumschiffs 2024/25 ist inhaltlich und handwerklich gescheitert: Kontinuitätsfehler wie schneebedeckte Berge im Hintergrund eines angeblich sonnigen Südafrika-Törns und ein dramaturgisch inkohärentes Drehbuch machen die Folge zu einem qualitativ unterdurchschnittlichen Fernsehprodukt.
gilt · seit 03.01.2026
Die Neujahrsfolge des Traumschiffs ist nur für eingefleischte Fans der Sendung erträglich; für ein allgemeines Publikum stellt sie eine unzumutbare Unterhaltungserfahrung dar.
gilt · seit 03.01.2026
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