Influencer in der Filterblase: Warum niemand über das Altwerden spricht – und warum KI-Avatare das Game ändern

**Alt-Text:** Illustration im Bauhaus-Comicstil: Ein älterer Mann steht frontal und symmetrisch vor einem modernen, geometrischen Gebäude mit Säulen. Er trägt helle Sommerkleidung, Kappe und Sonnenbrille, hält ein Smartphone in der linken Hand und stützt sich mit der rechten auf einen goldfarbenen Rollator. Klare Konturen, flächige Formen und helle Blau- und Goldtöne prägen die sachliche, stilisierte Szene.

Influencer mit Rollator – Denken Influencer über das Altwerden nach?

Influencer sind aktuell eher junge und hippe Menschen. Fotos von tollen Urlauben in Verbindung mit knackiger Bademode und einem wahnsinnig begehrten Technikgadget, gepaart mit einem unsagbar tollen Filter, sind ihr aktueller Alltag. Natürlich ist dies alles wahnsinnig anstrengend und aufwändig, vor allem seitdem an jeden zweiten Post der Hashtag zur Kennzeichnung als Werbung angehängt werden muss.

Das Influencerleben findet auf der bright side statt. Höchstens fällt mal der störende Schatten des neuen ultratollen Weitwinkelobjektivs auf die bunte und glitzernde Welt der viralen Meinungsmacher. Krankheiten werden meist optisch und mit dem Hinweis auf einen neuen Yogitee weggelächelt, denn im neuen Sportoutfit wird bald wieder an der richtigen physischen Balance gearbeitet.

Influencer sind jung und fit. Die bundesdeutsche Gesellschaft aber ist eher alt und krank – und die hat die Ersparnisse auf der hohen Kante. Viele Empfänger der beeinflussenden Werbung sind dagegen bereits mit jungen Jahren damit beschäftigt, die Rate für das neue iPhone abzubezahlen, statt für die dunklen Jahre vorzusorgen.

Alter, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Überschuldung, Existenzängste und die drohende Investition in einen Treppenlift finden – natürlich – im Fotostream von Influencern nicht statt. Auch bei den vielen Seminaren, die von sonnengebräunten Digitalen Nomaden für hoffnungsvolle Nachwuchsinfluencer angeboten werden, ist selten die Rede davon, was alles an Schwierigkeiten auf einen zukommen kann. Kein Wunder, denn dieser Job als Influencer ist viel mehr Hollywood als Wanne-Eickel – und nur dort ist es dunkel, nur dort kann einen das Ungemach des Lebens treffen.

Was passiert, wenn Influencer alt werden?

Influencer werden nicht alt. Oder doch? Was macht ein Influencer, wenn er altert? Busreisen statt Kreuzfahrten? Oder bleiben die Kunden einem Influencer treu, auch wenn er vom Bluthochdruck gezeichnet ist und das neueste Gadget der Rollator mit E-Bike-Funktion wird?

Das Influencerdasein ist eine wunderschöne Flucht vor der Realität. Doch wie lange kann diese Flucht gutgehen? Und was machen wir demnächst mit den ganzen Influencern, wenn wir sie nicht mehr sehen wollen? Vor allem: Was denken Influencer selbst darüber, wie ihr Leben in ein paar Jahren aussieht? Im schlimmsten Fall, denke ich, machen sich die meisten gar keine Gedanken über die Zukunft – denn die findet bei Instagram, YouTube & Co. eigentlich nicht statt.

Die KI-Avatar-Revolution – Das Ende der echten Influencer?

Oder wird der Influencer ganz aussterben? Laut 20min.ch wurde ein Deal geschlossen, der alles verändern könnte. Der Social-Media-Creator Khaby Lame hat etwas erreicht, was vor ihm niemand geschafft hat: Seine Firma wurde für einen Wert von rund 900 bis 975 Millionen Dollar übernommen. Der wichtigste Bestandteil des Deals ist die Entwicklung eines hyperrealistischen KI-Avatars, eines digitalen Zwillings. Dieser soll künftig für mehrsprachige Inhalte wie Werbung und Promo-Content eingesetzt werden.

Damit stellt sich die Frage: Braucht es dann überhaupt noch viele kleine Influencer, die jetzt keinen millionenschweren Deal abgeschlossen haben? Wenn sich jederzeit der passende KI-Avatar ins Hotel einladen lässt, statt den Influencer aus Fleisch und Blut, ist die Frage nach der Daseinsberechtigung der „Realfluencer“ berechtigt.

Glaubwürdigkeit vs. Effizienz – Wer gewinnt?

Es wird also die Frage „Glaubwürdigkeit vs. Effizienz“ die entscheidende sein. Wer sich als Influencer darauf einlässt, dass sein Avatar an mehreren Orten gleichzeitig präsent sein kann und aus einer Garage einen Luxuspalast macht, der muss mit entgangenen Chancen rechnen. Diese könnten sich in abnehmender Reichweite und damit weniger Einnahmen zeigen.

Für die Werbetreibenden steht der Glaubwürdigkeit die bessere Steuerbarkeit des Avatars gegenüber – ein klarer Vorteil. Ebenso spielen die eingesparten Kosten eine Rolle, die bei der echten Präsenz eines Influencers anfallen. Auf der anderen Seite könnten Kunden den Einsatz von generativer KI kritisch sehen und einem künstlichen Influencer weniger Vertrauen entgegenbringen als einem echten.

Das unbeantwortete Rätsel: Influencer und Altersvorsorge

Kommen wir zurück zum eigentlichen Problem: Influencer werden älter, aber niemand scheint darüber zu reden. Was wird aus ihnen, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen, wenn das Publikum weiterzieht, wenn die Marken jüngere Gesichter suchen?

Die Antwort gibt es noch nicht. Denn das Influencerdasein ist noch zu jung, um zu wissen, wie es mit fünfzig oder sechzig aussieht. Vielleicht werden manche zu weisen Content-Beratern, vielleicht verschwinden andere einfach in der Versenkung.

Eins ist sicher: Die glitzernde Welt der Filter und Hashtags wird nicht ewig währen. Und dann wird sich zeigen, wer wirklich etwas zu sagen hatte – und wer nur schön aussah. Oder sie leben ewig als KI-Avatare weiter. Das ewige Leben auf Instagram und TikTok rückt in greifbare Nähe.

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