Ein Glas Champagner geht noch

September 12, 2026  ·  Alle Videos

✓ Key-Takeaways

  • Zuviel Champagner ist nicht immer gut

Ein Glas Schampus geht noch

Die Villa in Kensington hatte diese mühelose Eleganz, die nur altes Geld und guter Geschmack hervorbringen können. Hohe Decken, Kristalllüster, die das Licht in tausend Richtungen warfen, und überall diese perfekt gekleideten Menschen, die so taten, als wären Partys von Sportartikelherstellern das Normalste der Welt.

Elsa stand an der Bar, das rote Abendkleid schmiegte sich an ihren Körper wie eine zweite Haut. Die Tattoos auf ihren Armen und Schultern bildeten einen eigenwilligen Kontrast zu der klassischen Eleganz des Raums. Sie war eine dieser Frauen, die man nicht übersehen konnte, selbst wenn man wollte.

Peter lehnte neben ihr, entspannt, mit der Gelassenheit eines Mannes, der nirgendwo sein musste außer genau hier. Er hielt eine Zigarre in der einen Hand, ein Glas Whisky in der anderen, und beobachtete amüsiert, wie Elsa ihr Champagnerglas leerte.

«Ein Glas Schampus geht noch, Baby», sagte er und grinste. «Prost.»

Sie stießen an, das Kristall klirrte leise. Elsa lachte, dieses helle Lachen, das sie hatte, wenn der Abend gerade erst anfing, interessant zu werden.

Die Zeit verlief so, wie sie es bei solchen Events tut. Irgendwie zu schnell und zu langsam gleichzeitig. Peter blieb die Ruhe selbst, rauchte seine Zigarre, trank seinen Whisky mit der Bedächtigkeit eines Mannes, der wusste, wie man einen langen Abend übersteht. Elsa dagegen sammelte Champagnergläser wie Trophäen. Eines nach dem anderen. Der Raum begann zu schwimmen, die Gesichter verschwammen, die Musik wurde lauter oder leiser, sie konnte es nicht mehr genau sagen.

Irgendwann fand sie sich alleine wandernd durch die Korridore der Villa. Kunst an den Wänden, die sie nicht verstand. Türen, hinter denen fremde Stimmen flüsterten. Das rote Kleid raschelte bei jedem Schritt.

Dann plötzlich der Boden. Er kam schneller als erwartet. Elsas Beine hatten beschlossen, dass es genug war. Sie sank zu Boden, nicht dramatisch, eher wie in Zeitlupe. Ihre Handtasche fiel, entleerte sich, Lippenstift, Schlüssel, ihr Telefon, alles verteilte sich auf dem polierten Parkett wie ein modernes Kunstwerk.

Sie schloss die Augen. Nur für einen Moment.

Als sie sie wieder öffnete, hatte sie keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Eine Minute? Eine Stunde? Die Villa war stiller geworden. Sie richtete sich auf, sammelte ihre Sachen ein.

«What the fuck happened», murmelte sie und trat um sich, mehr aus Prinzip als aus Notwendigkeit, als ob sie der Schwerkraft zeigen wollte, wer hier das Sagen hatte.

Die Treppe. Sie musste Peter finden. Die Stufen waren eine Herausforderung, aber sie meisterte sie mit der Würde einer Frau, die sich weigerte zuzugeben, dass sie vielleicht doch ein Glas zu viel getrunken hatte.

Oben fand sie ihn. In einem Raucherzimmer mit Lederpolstern und dunklem Holz. Er saß dort, die Zigarre zwischen den Fingern, das Whiskyglas halb voll, und lachte dieses tiefe, herzliche Lachen, als er sie sah.

«Liebling», sagte er, die Augen voller Belustigung, «du hattest zu viel Champagner, ah.»

Elsa konnte nicht anders, als zurückzulachen. Es war absurd, und es war perfekt, und es war genau die Art von Abend, an die man sich erinnern würde, wenn auch vielleicht nicht in allen Details.

Sie gingen zusammen die Treppe hinunter, Peter hielt ihre Hand, und Elsa versuchte so zu laufen, als ob sie nicht gerade auf dem Parkettboden der Villa eines Sportartikelherstellers geschlafen hätte. Am Ausgang verabschiedeten sie sich von Gesichtern, deren Namen Elsa nie gekannt hatte.

Draußen wartete London in der Nacht, die Stadt leuchtete, und irgendwo in Kensington würde morgen jemand eine rote Handtasche finden und sich fragen, welche Geschichten sie erzählen könnte.

Aber das war morgen. Und morgen war, wie immer, vollkommen überbewertet.