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herr meiers fitzelchen
L’orage de vérité
By admin ⋅ 13. Februar 2011 ⋅ Post a comment
Filed Under diblotin, fitzelchen, frankreich, gewitter, kirche, polizei, seelig, tal, teufel, weihwasser
Erneut rollte das Gewitter zurück ins Tal, die Hitze der letzten Tage hatte die Luft nahezu unerträglich gemacht und nun gab es endlich Abkühlung. Regen prasselte auf den ausgetrockneten Boden und weichte ihn unaufhörlich auf, der Staub auf den Fenstern vermischte sich mit den Tropfen und ran in feinen Schlieren herab. Es würde dennoch nicht mehr lange dauern und die Nacht würde hereinbrechen und der Donnerhall zwischen den Bergen würde die Einwohner nicht schlafen lassen.
Georges hatte sich mit einer dünnen Decke und einem Waschlappen der zusätzlich Kühlung bringen sollte, früh ins Bett gelegt. Darauf hoffend in der Gewitterpause einschlafen zu können.
Als er die Augen Stunden später aufschlug glaubte er direkt neben einem Blitz wachgeworden zu sein, das Gewitter tobte mit aller Macht im kleinen Talkessel, die Donner hallten an den Bergen zurück und die Blitze formten bizarre Gesteinfratzen in die Berge.
Mit einem Glas Tee hatte Georges sich vor das große Panoramafenster seines Hofs gestellt und sah sich das Schauspiel an. Durch die offenen Fenster drang kühle Luft in die aufgeheizten Räume, die Schläge des Gewitters wurden immer mächtiger und teilweise spürte er die Energie der Natur unter seinen Füßen, wenn einer der Blitze in der Nähe in den Boden fuhr.
Gerade hatte ein Donnerschlag sein Grollen ausrollen lassen als er ein Geräusch hörte, er schüttelte seinen Kopf den dieses Geräusch hatte er das letzte Mal vor fast fünfzig Jahren gehört, aus diesem Grund ging er an eines der kleinen, geöffneten, Fenster und lauschte in die kurze Stille zwischen dem letzten und dem nächsten Donnerhall.
Ganz deutlich, das gleiche Geräusch, fein drang es an sein Ohr. Ebenso fein und sauber wie damals, ganz leise, ein hoher, dennoch fast dumpfer Ton. Monoton und gleichmäßig drang es an sein Ohr.
Es löste sofort Bilder in seinem Kopf aus, kalter Schweiß lief ihm den Rücken herab. Er ging zu Bett und versuchte es zu ignorieren, aber immer in den Pausen zwischen Blitzen, Donnern und deren Nachhall aus den Bergen konnte er es hören, unaufhörlich nahm es Besitz von ihm.
Sein Vater hielt ihn an der Hand, gemeinsam sahen sie den Männern der Feuerwehr beim Löschen zu. Hoffnungslos dort noch jemanden zu retten hatte sein Vater seiner Mutter, die weinend hinter den beiden Männern stand, zugeflüstert. Er hatte es gehört und sah wie die Flammen die Scheune der Nachbarsfamilie auffraß.
Seine Mutter sprach leise mit seinem Vater, und er hörte nur wie er ihr sagte das er es auch gehört habe, aber das sei ein Aberglaube der alten Leute im Tal.
Niemand der Diablotins hatte aus dem Feuer gerettet werden können, alle verbrannt. Der Blitz hatte wohl direkt ins Haupthaus eingeschlagen und die Trockenheit des Sommers hatte das Haus ausgedörrt und so stand es bald lichterloh in Flammen.Da, er hörte es wieder, vor seinem geistigen Auge sah er seine Mutter und spürte wie sie ihm die Hand fest drückte und ein Ave Maria betete. Sein Vater hatte sie böse angeschaut und hatte ihn mitgenommen. Einmal einige Jahre später, er hatte sein Studium abgeschlossen fuhr er mit dem Rad durch das Nachbartal und dabei meinte er denselben Klang aus seinem Tal zu hören. Dann hatte er die Ereignisse des Spätsommers 1912 vergessen und in dieser Nacht tauschte alles wieder auf; die Flammen, die Schreie, sein Vater der die Familie zurückhielt sich ins Unglück der Flammen bei einem Löschversuch zu werfen. In seinem Kopf hämmerte der Klang wieder.
Als er sich angezogen hatte, dröhnte das Gewitter immer noch durchs Tal, der Regen hatte etwas nachgelassen. Er wollte nun wissen was am alten Aberglaube dran sei und ging vor die Tür. Er nahm den alten Weg zum ehemaligen Hof der Familie Diablotin, kam an der Anhöhe vorbei auf der sie damals die Feuersbrunst beobachteten und blieb nur kurz stehen als ein Blitz hinter ihm in einen Baum fuhr und ihn fast umgeworfen hatte.
Die örtliche Präfektur der Sûreté hatte Marius Profond in den kleinen Weiler geschickt. Dort angekommen stand im Halbrund ein Dutzend Dorfbewohner um die verkohlte Leiche eines Mannes herum. Sie dampfte noch leicht und er musste sich ein Taschentusch vor die Nase halten damit er den Geruch der verbrannten Leiche nicht zu stark wahrnahm.
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Der Tote hieß Georges Bienheureux, 64 Jahre alt, Arzt und im Hof seiner Familie wohnend gewesen. Witwer, keine Kinder.
Er sprach mit den Leuten die sich vor Ort eingefunden hatten, seine Kollegen halfen ihm bei der Befragung während die Leiche weggebracht wurde. Monsieur Bienheureux hatte wohl einen Spaziergang in der Nacht gemacht, ein Blitz musste ihn getroffen haben, so würde er es in seinem Bericht vermerken und den Fall zu den Akten legen.
Die alten Frauen aus dem Dorf brachten Weihwasser aus der Kirche und besprengten den Boden rund um die Stelle an der Georges gefunden worden war. Sie bekreuzigten sich und fingen an zu beten. Marius Profond schaute den jungen Dorfpfarrer an, der kreidebleich dem Geschehen zusah.
Ein leichter Windhauch fegte über den Platz und aus der Ferne hörte Marius Profond den Klang einer Kirchenglocke die er hier im Tal noch nie gehört hatte, dann verdunkelte sich der Himmel und der Klang der Glocke verschwand in einem letzten Donner der aus der Ferne über das Tal zog.
Als er in sein Auto stieg fiel ihm ein kleiner Gedenkstein auf:
Hier starben die Diablotin als das Totenglöckchen schlug und kein Seeliger ihnen helfen wollte. – Die Bewohner von Cloche – 15. September 1912.
Marius schaute zur Sicherheit noch einmal auf seine Uhr, sein Gefühl hatte in nicht betrogen, heute war der 15. September 1962.
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