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Mitbewerberbashing beim Journal Frankfurt? Ein Restauranttester wird kritisch….
By admin ⋅ 14. Juni 2011 ⋅ Post a comment
Filed Under bastian fiebig, gastro, journal frankfurt, qype
Bastian Fiebig setzt sich im Gastrobereich des Journal Frankfurt mit Online-Bewertungsportalen, wie z.B. qype.com und restaurant-kritik.de, auseinander.
In dem Artikel heißt es u.a.:
„Die Frage, ob die in solchen Portalen niedergeschriebenen Kommentare tatsächlich hilfreich bei der Suche oder doch nur parteiisches Geschwafel sind, kann man sich selbst am Besten anhand eigener Stichproben beantworten. Für die Gilde hinter dem Herd ergibt sich jedoch eine neue Situation. War der Besucher zuvor vorfreudiger Gast oder genusssüchtiger Gourmand, so sitzen heute zunehmend selbsternannte Restaurantkritiker am Tisch, die oft in größerer Zahl antreten, um die Leistung der Küche auf Herz und Nier(ch)en zu prüfen. Und nicht etwa, um sie einfach nur zu genießen.“
Eine interessante Feststellung, die in der Zwischenzeit nicht nur für die Gastronomie zutrifft, sondern auf fast alle Bereiche die sich mit Dienstleistungen oder dem Verkauf von Waren/Gütern beschäftigt. Also die Fortsetzung des Trends mit dem die Presse Verlagsgesellschaft mbH (Herausgeber des JF) eine lange Zeit, mit Heften wie „Frankfurt geht aus“ & „Frankfurt kauft ein“, gutes Geld verdient hat, und evtl. auch noch gutes Geld verdient.
Im Artikel geht es dann weiter mit Aussagen wie:
„Der Maitre selbst fürchtet die scharfe Feder respektive Tastatur der Kundschaft, und die vergibt manchmal auch dann nur einen Punkt, wenn es keinen Platz mehr gibt und der Ober einen schlechten Tag hat – oder stiftet gleich die komplette Bekanntschaft an, den “arroganten Sack” oder “die Stümper” kollektiv im Netz abzustrafen. Selbst wenn die Kumpels den Innenraum des Lokals nie von innen gesehen haben. Die Freiheit des Internet bietet Freiraum für Häme.“
Musste der Maitre früher nicht auch die Feder der Restaurantkritiker des JF fürchten? Auch wenn diese Restaurants nicht nur einmal besuchten um sie zu beurteilen, sondern mindestens zweimal. Und sind diese Kritiker nicht auch eher Hobbykritiker gewesen, statt professionell ausgebildete Testesser?
Hatten die Testesser des Journal nicht sogar handfeste wirtschaftliche Interessen des Verlags im Gepäck? Ohne ausreichende Kritiken gab es kein Heft zu füllen und ohne gut gefülltes Heft gab es keine Anzeigen von Gastronomen und niemand hätte das Heft gekauft.
Sind da nicht die Kritiker im Netz nicht viel unabhängiger? Da sie keine Angestellten der Bewertungsportale sind, oder in irgendeiner Form für ihre Aussagen entlohnt werden, außer mit Fleißpünktchen und Auszeichnungen ohne wirklichen Wert.
Auch dazu hat Herr Fiebig ein Meinung:
„Der Unterschied zwischen freien Portalen und von Journalisten erstellten Beiträgen ist die Unabhängigkeit der Schreibenden Zunft. Die ist natürlich nicht um harte Worte verlegen, wenn die Küchenleistung nicht stimmt, doch das entfacht im Regelfall eine lebendige Debatte in der Szene und motiviert den Küchenchef, seine Gäste schnell vom Gegenteil zu überzeugen.“
Da wird sich auf die Unabhängigkeit der schreibenden Zunft berufen und der neutrale Internetkritiker in eine etwas andere Ecke gestellt. Offenbar hat Herr Fiebig hier wohl etwas verpasst, denn auch im Internet gibt es durchaus unabhängig schreibende Menschen und diese finden sich zum großen Teil auch in sozialen Netzwerken wieder. Hier wird oft für die eigene Reputation geschrieben, ohne finanzielles Interesse eines Verlages oder eines Portalbetreibers.
Freunde, Kollegen und Verwandte lesen die Kritiken oder Aussagen und wer möchte schön von diesen Menschen später kritisch beäugt werden, weil die Aussagen einfach nicht stimmten. Da hat es der am Schreibtisch sitzende und dem Leser, meist, völlig unbekannten Journalist schon einfacher mit der Kritik am Restaurant.
Lebhafte Debatten ergeben sich auf den Kritikplattformen, gerade auf qype.com, sehr oft, wenn Behauptungen oder Kritiken nicht stimmen. Der Gastronom hat es viel einfacher auf eine ungerechte Kritik zu reagieren. Landete ein Restaurant früher unter den Flop Ten in Frankfurt geht aus, dann hatte der Gastronom ein Jahr Zeit sich von dieser Schande zu erholen. Heute kann er viel schneller und besser reagieren, die Kundschaft hat mit Bewertungsportalen eine viel bessere Möglichkeit eine geäußerte Kritik zu bewerten und sie innerhalb kürzester Zeit zu bestätigen, oder zu widerlegen.
Viele Schreiberlinge auf den Portalen sind untereinander vernetzt, man kennt sich und weiß wer ein ernstzunehmender Kritiker ist und wer nur kritisiert ohne jeglichen Hintergrund zu Lokal und Speisen.
Im Netz fliegt eine Pseudokritik wesentlich schneller auf, als dies im Printgeschäft der Fall ist.
Natürlich ist der Beruf des Restauranttesters in den Zeiten der Netzkritik ein schwieriger Beruf, und so lässt uns Bastian Fiebig wissen:
„Macht es wirklich Spaß, immer mit den Augen eines Restauranttesters essen zu gehen? Durchaus, wenn man diesen Beruf wirklich faszinierend findet. Restauranttester essen nämlich professionell. Wer denkt, dass es ein Genuss ist, dies konsequent nachzuahmen, der macht einen Fehler.“
Natürlich geht nicht jeder Qyper mit den Augen eines Restauranttesters essen, aber mit dem Verstand eines kritischen Konsumenten und dabei fällt dem Laien dann eben auch einmal etwas auf, was dem Kritiker nicht auffällt. Kein Grund die Laien als unprofessionell darzustellen, denn sie essen aus Genuß und nicht aus Profession, und können die Quittung für das Abendessen eben nicht an der Verlagskasse abgeben und sich wieder auszahlen lassen.
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Ein kritisches Auge auf die Mitbewerber zu haben sei dem Journal zugestanden, aber kann es vielleicht sein, dass hier auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen? Ist das Netz mit seinen kostenfreien Bewertungsportalen nicht eine große Bedrohung für einen Verlag der, wie oben geschrieben, mit dem Modell des kritischen Lokalführers über Jahre gutes Geld verdient hat.
Alle Verlage verlieren schon über einen langen Zeitraum Geschäft an die Konkurrenz im Netz, und wenn ich mir die Auflagenzahlen von Frankfurt geht aus ansehe, dann kann ich Herrn Fiebig verstehen.
Denn aus einem Heft mit einer Druckauflage von 70.000 Exemplaren in 2009 und 2010 (die verkaufte Auflage konnte ich nicht herausfinden, denn dazu gibt es keine IVW-Zahlen) ist in 2011 ein Heft mit einer Druckauflage von 55.000 Exemplaren geworden.
Rein theoretisch ließ sich daraus ableiten, dass die Mitbewerber aus dem Netz ziemlich stark am Erlösmodell des JF kratzen. Ein einfaches Beispiel dazu:
Wenn sich das Verhältnis von gedruckter Auflage zu verkaufter Auflage beim JF geht aus, analog zum JF verhält, dann wurden, bzw. werden von der Ausgabe JF geht aus 2011 nur noch 45.738 Exemplare verkauft. In 2011 sind dies noch 62.250 Exemplare gewesen. Bei einem Einzelverkaufspreis von 5,80 € sind dies ca. 95.000 € weniger Umsatz im Einzelverkauf. Mir ist natürlich bewusst, dass die in Relationsetzung der Druckauflage zur verkauften Auflage erhebliche Mängel aufweist, aber aufgrund fehlender anderer Zahlen ist dies die einzige Möglichkeit einmal aufzuzeigen wie Verlagshäuser unter der kostenfreien Konkurrenz aus dem Netz leiden.
Zusätzlich zu den Verlusten im Einzelverkauf können den Verlag auch noch die Verluste aus dem Anzeigengeschäft treffen, welche teilweise über eine Anhebung der Anzeigenpreise abgefangen werden können. Wobei beim Journal Frankfurt die Preiserhöhung für „geht aus“ in einem kompetitiven Umfeld moderat ausgefallen ist. Kostete 2009 die 1/1-Seite 4c noch 4.110 € sind es 2011 4.330 € (ohne Rabatte und AE).
Unter den geschilderten Umständen finde ich den Artikel von Bastian Fiebig sehr einseitig und fast schon tendenziös, denn der Artikel ist nicht ganz so „unabhängig“ geschrieben wie er es von seiner eigenen Zunft fordert, bzw. als Unterscheidungsmerkmal zu den Nutzern der Internetportale heraushebt.
Vielleicht hätte ein Vermerk auf die Entwicklung im Markt dem Artikel gutgetan, dann hätte jeder Leser auch den gesamten Kontext sehen und bewerten können. So ist es ein wenig Mitbewerber bashing. Die eigene Leserschaft wurde wohl auch ein wenig aus dem Auge verloren, denn viele Menschen die auf qype & Co., zumindest in FFM unterwegs sind, sind auch Leser des Journal Frankfurt. Und ohne Frankfurt geht aus hätten viele der Nutzer auch nicht den richtigen Riecher für eine gelungene – laienhafte – Restaurantkritik !
Quelle für Auflagen und Preise: Verlagsangaben und IVW
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Journal Frankfurt patzt: L´Osteria besser als Lucullus im Westhafen – hä? #fail Journal Frankfurt – Vom Mast springen #gorch_fock 20 Jahre mit dem Journal in Frankfurt ausgehen Die Eintrachturnen: Jetzt auch im Journal Frankfurt
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Discussion
2 Responses to “Mitbewerberbashing beim Journal Frankfurt? Ein Restauranttester wird kritisch….”
Da hat Herr Meier wohl recht. In wirtschaftlich komplexen Zeiten den digitalen oder anderen Wettbewerb zu attackieren ist nicht wirklich hilfreich. Das fällt und stösst auf.
Es hilft eher, solche Angebote digital, mobil oder als Variationen des angestammten Printmodells selbst in den Markt zu bringen. Das ist schwierig aber der einzige Weg im Wettbewerb mit den lokalen Bewertungsportalen wie Qype oder auch http://frankfurt.golocal.de/
Posted by f_wenz | 15. Juni 2011, 8:50 Reply to this comment
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[…] habe dies wie folgt auf der Seite des Journal Frankfurt kommentiert und verweise auch noch einmal auf meinen Beitrag zum Thema Frankfurt Geht aus und was wohl hinter mancher Kritik […]
meiersworld.de – Die Welt aus meiner Sicht » Journal Frankfurt patzt: L´Osteria besser als Lucullus im Westhafen – hä? – 10. Juli 2012
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Der Artikel von Bastian Fiebig im Journal Frankfurt über Online-Bewertungsportale ist einseitig und tendenziös, weil er die wirtschaftlichen Eigeninteressen des Verlags (Presse Verlagsgesellschaft mbH) an Print-Gastroführern wie 'Frankfurt geht aus' verschweigt und damit selbst nicht die Unabhängigkeit erfüllt, die er von Internetkritikern abgrenzt.
gilt · seit 14.06.2011
Der sinkende Auflagenverlauf von 'Frankfurt geht aus' — von 70.000 Druckexemplaren (2009/2010) auf 55.000 (2011) — belegt, dass kostenfreie Online-Bewertungsportale das Erlösmodell von Printgastroführern spürbar beschädigen.
gilt · seit 14.06.2011
Online-Bewertungsportale bieten Gastronomen gegenüber Print-Kritiken einen Vorteil, weil sie schneller auf ungerechtfertigte Kritiken reagieren können und die Leserschaft eine Bewertung zeitnah bestätigen oder widerlegen kann.
gilt · seit 14.06.2011
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gilt · seit 14.06.2011
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