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Ein Fitzelchen: Der Regen bringt den Schattentod
By admin ⋅ 24. Juli 2010 ⋅ Post a comment
Filed Under apfelwein, drahtschlinge, fitzelchen, gaslaterne, geschichte, hitze, krimi, lacoste, manfred, mareike, regen, schlaflos, taxi, wlan
Manfred starrte aus dem Fenster, er konnte nicht schlafen und hatte es sich mit einer Tasse Tee an seinem Aussichtspunkt im Esszimmer seiner kleinen Dachgeschosswohnung gemütlich gemacht. Der Regen sorgte ganz langsam für Abkühlung in der Stadt und in den Zimmern seines persönlichen Brutkastens im Dachgeschoss.
Zuerst hatte der Regen nur die Straßen leicht benetzt und die Hitze der vergangen Tage hatte die Feuchtigkeit sofort wieder verdampfen lassen, saunaähnliche Zustände hatten einem das Atmen fast unmöglich gemacht, aber nun regnete es seit ein paar Tagen immer wieder und nicht nur die Menschen konnten wieder durchatmen, Manfred hatte das Gefühl auch die Stadt pumpte wieder mehr Luft durch ihre Lungen. Die Menschen waren froh über nur noch 25 Grad und tummelten sich in den Apfelweinkneipen der Stadt und redeten über das Wetter.
Nach zwei großen Bembel und vier Mispelchen hatten sich gestern Abend seine Kumpels und er auch vom Regen nach Hause schicken lassen und nun um viertel vor Drei in der Nacht schaute Manfred dem nicht vorhandenen Treiben in seiner kleinen Straße zu. Ab und an konnte er ein Geräusch von den Nachbarn hören, heute liebten sie sich mal, gestern hassten sie sich wohl mehr.
Der Regen fiel nun schön regelmäßig auf die Grünflächen vor dem Haus und er hörte wie die Gullys gluckerten. Fast kein Wind störte den Regen an seinem geraden Fall von den Wolken auf die Straßen und Wiesen. Morgen früh wollte er gleich in den Schrebergarten fahren und die Regentonnen kontrollieren.
Ein Taxi bog in die Straße ein, Manfred schaute interessiert wo es halten würde, es stoppte vor Haus Nummer 10. Sein Herz schlug höher, er hatte schon ein paar Mal beobachtet, wie zu sehr ungewöhnlichen Zeiten ein Taxi vor dem Haus schräg gegenüber vorfuhr, meist brachte es die dunkelgelockte Frau aus dem dritten Stock nach Hause, manchmal holte es sie aber auch ab. Da er kein Licht im Treppenhaus sehen konnte, tippte er auf eine Heimfahrt.
Mareike stieg aus dem Taxi aus, zog die Schultern hoch und versuchte sich so vor dem Regen ein wenig zu schützen. Ihre Schuhe hatte sie bereits ausgezogen, viel zu unbequem, und beeilte sich zur Haustür zu kommen. Ein kurzer Blick nach hinten, als das Taxi die Straße hochfuhr. Sie erschrak leicht, denn sie meinte einen Schatten gesehen zu haben, aber im zweiten Blick sah sie, dass der Spanner von gegenüber wieder an seinem Fenster hing und auf die Straße glotze. Einmal hatte sie ihn erwischt wie er mit einem Fernglas versucht hatte in ihr Wohnzimmer zu schauen. Ein komischer Typ, arbeitete wohl bei der Stadt und hatte viel Zeit und offenbar Schlafstörungen. Sie wollte nur noch ins Bett, der Abend mit den Kunden hatte sie viel Kraft gekostet und sie spürte den Wein – Schlafen, dachte sie sich und glitt in den warmen Hausflur. Hier hatte die Abkühlung noch nicht stattgefunden.
Immer so spät dachte Manfred und immer so schick und sexy angezogen, diese Frau fand er toll. Für ihn mit seinen 20kg Übergewicht wohl nie erreichbar, sie beachtete ihn nicht einmal wenn sie sich trafen. Naja, so ist es wohl. Er schaute wieder auf den Regen und die Straße und träumte davon wie wohl das Shampoo seiner dunkelhaarigen, kurzgelockten Nachbarin riechen würde.
Etwas im Lichtschein der Laterne vor Haus Nummer Zehn erregte seine Aufmerksamkeit, er meinte kurz einen Schatten gesehen zu haben. Er schaute angestrengt auf die Laterne und ihre Umgebung, aber er sah nichts. Der Regen hatte sich verstärkt, vielleicht ein Ast der kurz vom aufkommenden Wind in den Lichtkegel der Straßenlaterne gedrückt worden war. Durch die Gaslaternen in der kleinen Straße, die ein viel wärmeres Licht abgaben, konnte sich manchmal ein fast gruseliger Schatten in seiner Phantasie festsetzen, obwohl nur eine Katze kurz durch den Lichtkegel huschte.
Mit seiner Tasse Tee in der Hand machte er sich auf den Weg Richtung Bad, er wollte sich rasieren und dann versuchen noch einmal einzuschlafen.
Er stand gerade in der Mitte des kurzen Flurs als es an der Tür klopfte. Jetzt um diese Zeit? Er kratzte sich am Kopf und schaute durch den Spion. Es überraschte ihn, als er sah wer da vor der Tür stand. Freudig drehte er den Schlüssel um, sah noch einmal kurz an sich runter, er trug Jogginghose und ein altes Lacosteshirt, und öffnete die Tür.
Seine Teetasse zerschellte am Boden als die Metallschlinge um seinen Hals ihm die Luft abdrückte. Er röchelte, versuchte zu schreien und fiel zu Boden. Seine Gegenwehr erstarb und ihm wurde schwarz vor Augen, die er kurz darauf für immer schloss.
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Schnell schritt die Gestalt die Manfred noch so freudig in seine Wohnung gelassen hatte Richtung Wohnzimmer, dort am Fenster sah sie was ihr von der Straße aus aufgefallen war. Ein kleiner Camcorder mit Fernglasaufsatz hatte die nächtliche Straße gefilmt. Der Camcorder verschwand in einer kleinen Tasche, es gab keine Verbindung zu einem PC oder ähnlichen, auch gut. Dann wurden die Fenster in der Wohnung gekippt, der Müll geleert und die Wohnung mit dem Schlüssel ihres verstorbenen Besitzers sorgfältig abgeschlossen.
Die gekippten Fenster würden dafür sorgen, dass in den nächsten Tagen der Gestank der Leiche nicht zu stark würde, der entsorgte Müll würde auch nicht müffeln und die kleine Lampe im Bad würde die Nachbarn auch nicht stutzig machen.
Sie zog die Handschuhe aus, nahm die Drahtschlinge und packte sie in den Müll, dann zog sie die Schnürsenkel ihrer Adidas-Joggingschuhe fest, drehte die Musik auf und begann ihre Joggingrunde durch den nahegelegenen Park.
Der eingeschaltete PC in der Schrankwand begann wie jeden Morgen die Aufzeichnungen der Nacht zu komprimieren und an die verschlüsselte Festplatte im Netz zu versenden. Der kleine gut gekühlte Computerschrank mit seinem gut gesicherten WLAN-Router verrichtete seine Arbeit und störte sich nicht daran in den nächsten Stunden nur noch ein schwarzes Bild zu empfangen.
Das ist das zweite Fitzelchen gewesen, andere Fitzelchen findet ihr hier.
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Ein voyeuristischer Stadtangestellter namens Manfred wird in seiner Frankfurter Dachgeschosswohnung nachts mit einer Drahtschlinge ermordet, weil er seine Nachbarin Mareike heimlich mit einem Camcorder gefilmt hat.
gilt · seit 24.07.2010
Manfreds versteckter PC überträgt die Nachtaufzeichnungen automatisch verschlüsselt ins Netz, was die Mörderin zu spät bemerkt und als potenziell gefährlichen Zeugen zurücklässt.
gilt · seit 24.07.2010
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