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Frankfurts Nahverkehr muss attraktiver werden
By Patrick Meier ⋅ 27. Oktober 2013 ⋅ Post a comment
Filed Under city, frankfurt, nordmainische, öpn, parkdauer, parkgebühren, parkplätze, rmv, s-bahn, westtangente, zeil
Ein Aufschrei geht durch die Frankfurter Geschäftswelt und dieser Schrei wird von den Jungen Liberalen wie ein Megafon verstärkt, denn die Frankfurter Einzelhändler und die Jugendorganisation der FDP fürchten das demnächst niemand mehr in Frankfurt parkt und die Innenstadt verwaist. Die Zeil leer, die Nebenstraßen nur noch von streunenden Hunden bevölkert, und dies alles nur weil die Parkgebühren für das Parken auf den Parkflächen auf der Straße das erste Mal seit 1994 erhöht werden? Daran glaube ich nicht! Es gibt ca. 13.000 Parkplätze in den Parkhäusern der Stadt, und wenn ich mich recht entsinne brach kein Sturm der Entrüstung aus, als die Besucher des neuen Skyline Plaza bis zu 32 € zahlen mussten. Geld für Parkplätze gibt es doch immer genug; denn parken ist billiger als S-Bahn fahren!
Auf den öffentlichen Raum entfallen von den ca. 17.000 Parkplätzen in Frankfurt ca. 20%. Diese Parkplätze dienen eher dem kurzen Anhalten und schnellen Besorgungen, da wird es wohl wenig ausmachen, ob ein Autofahrer für 20 Minuten 1€ zahlen muss, oder für dreißig Minuten.
Die hier provozierte Empörung, BILD Frankfurt ist ganz fett dabei, ist für viele Nutzer des ÖPNV fast wie ein Schlag ins Gesicht. Weder regen sich die Frankfurter Einzelhändler massiv auf, wenn der RMV seine Kosten erhöht, noch sind die Julis aktiv, das könnte aber an deren Nutzungsverhalten von Bus & Bahn liegen, denn hier wird sicherlich lieber Benz & BMW gefahren.
Der schützenswerte Autofahrer gegen die Nutzer des RMV, da ist klar wer gewinnt: Der Autofahrer.
Gerade in Frankfurt ist das Auto immer noch das Verkehrsmittel Nummer Eins, zumindest wenn es um die Priorisierung der Verkehswegeplanung in dieser Stadt geht. Während rund um die EZB für Millionen die PKW-Infrastruktur aufgepimpt wird, verfällt in Sichtweite der Ostbahnhof und die nordmainische S-Bahnlinie, die zur Andienung der EZB bestens geeignet wäre, wird wohl erst 2016 kommen, wenn überhaupt. Die Stadt baut in der Zwischenzeit lieber eine neue S-Bahnstation am Flughafen, der bereits bestens an die ÖPNV-Infrastruktur angeschlossen ist.
Es gäbe in Frankfurt viele Möglichkeiten den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten. Ein Beginn könnte u.a. die Westtangente sein:
Im Gegensatz zu den bisher existierenden S-Bahn-Linien des sternförmigen RMV-Netzes soll die RTW-Linie nicht durch den City-Tunnel unter der Innenstadt von Frankfurt am Main laufen, sondern diese im Westen umfahren. Es würde eine direkte Verbindung zwischen den dicht besiedelten Städten des Hochtaunuskreises (Bad Homburg, Oberursel und Steinbach, zusammen ca. 110.000 Einwohner), den Städten des Main-Taunus-Kreises (Eschborn, Sulzbach), Frankfurt-Höchst, dem Gewerbegebiet Eschborn-Süd, dem Kreis Groß-Gerau sowie dem Flughafen Frankfurt am Main und dem Kreis Offenbach (Neu-Isenburg) entstehen. Weiterhin sollen das Nordwestzentrum und Dreieich-Buchschlag angebunden werden. Das stärke den Tangentialverkehr, weil das zeitaufwändige Umsteigen in der Frankfurter Innenstadt entfiele. Quelle: Wikipedia
Ein gutes Konzept, denn der stark auf die Innenstadt ausgerichtete Verkehr sorgt für Zeitverlust und macht damit die Bahn unattraktiv, ein gutes Argument für das Auto und gegen die Bahn. Eine halbe Milliarde Euro die gut investiert wären.
Die Stadt könnte sich auch einmal überlegen, ob es nicht sinnvoll sein könnte die Strecke der alten Hafenbahn (heute nur noch von der Historischen Eisenbahn Frankfurt und einigen wenigen Güterzügen der HFM genutzt) wiederzubeleben. Der Stau der sich täglich zwischen dem Osthafenbereich (Hanauer Landstrasse) und dem Westhafen bildet resultiert aus einer falschen Verkehrspolitik, denn es gibt keine attraktive Verbindung zwischen dem Osten der Stadt und dem Westen der Stadt, aber eine nicht genutzte Schieneninfrastruktur die Pendler im Osten aufnehmen könnte und zu Knotenpunkten in der Stadt bringen kann, bzw. direkt bis zum Hauptbahnhof.
Die Aufregung um die Erhöhung der Parkgebühren ist nur zu einem gut, nämlich dies einmal als einen weiteren Ansatz für eine Entlastung der Straße und einer Förderung des ÖPNV zur Hand zu nehmen. Wenn die Erhöhung der Parkgebühren lenkende Funktion haben soll, so heißt es zumindest aus dem Römer, dann muss über eine Anhebung um 200% nachgedacht werden und gleichzeitig über eine bessere Tarifstruktur des RMV gesprochen werden.
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2 Responses to “Frankfurts Nahverkehr muss attraktiver werden”
Die RTW ist eine gute Idee und fast genauso wichtig finde ich die sog. “Ginnheimer Kurve”, damit endlich die Lücke zwischen Ginnheim und Bockenheim geschlossen wird.
Bei der aktuellen Planung der RTW finde ich auch die Option interessant, dass über den Abzweig in Richtung Niederursel auch die U-Bahn fahren können soll. Das bringt Dadurch entsteht eine Alternativroute, denn die A-Strecke ist ja wie der City-Tunnel an ihrer Kapazitätsgrenze.
Posted by Thomas | 27. Oktober 2013, 10:39 Reply to this comment
Den Absatz mit der “Wiederbelebung der Hafenbahn” kann man meiner Meinung nach nicht so stehen lassen. Sie bietet nicht genug Kapazität für einen brauchbar dichten Takt, da sie eingleisig ist. Platz für ausreichend Ausweichstellen muss man erstmal finden. Ausserdem führt sie in Innenstadtnähe am belebten Mainufer entlang, könnte daher nicht sonderlich schnell fahren und wäre für die unbedarften Fußgänger eine Gefahr, der man nur durch Absperr- und Sicherungsmaßnahmen begegnen könnte. Eine “kleine Eschersheimer Landstrasse” am schönen Mainufer? Will garantiert keiner. Das gäbe bestenfalls einen straßenbahnmäßigen Betrieb. Und Straßenbahn, war da nicht was? Genau: Die Linie 11 führt genau parallel, in maximal 500m Entfernung, zentraler in der Bebauung, zweigleisig und bereits elektrifiziert.
Posted by opatios | 29. Oktober 2013, 1:11 Reply to this comment
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Die Empörung Frankfurter Einzelhändler und der Jungen Liberalen über die Erhöhung der Straßenparkgebühren ist unverhältnismäßig, weil dieselben Gruppen Tariferhöhungen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) schweigend hinnehmen und damit Autofahrer gegenüber ÖPNV-Nutzern bevorzugen.
gilt · seit 27.10.2013
Der Bau der Regionaltangente West (RTW) wäre eine sinnvolle Investition von rund einer halben Milliarde Euro, weil das sternförmige Frankfurter S-Bahn-Netz Fahrgäste zu zeitaufwändigen Umstiegen in der Innenstadt zwingt und das Auto dadurch attraktiver macht als die Bahn.
gilt · seit 27.10.2013
Die Frankfurter Verkehrspolitik priorisiert das Auto gegenüber dem ÖPNV, was sich daran zeigt, dass PKW-Infrastruktur rund um die Europäische Zentralbank für Millionen ausgebaut wird, während die nordmainische S-Bahnlinie verfällt und frühestens 2016 fertiggestellt wird.
gilt · seit 27.10.2013
Eine wirksame Lenkungswirkung der Parkgebührenerhöhung zugunsten des ÖPNV erfordert eine Anhebung um mindestens 200 Prozent sowie gleichzeitig eine verbesserte Tarifstruktur des Rhein-Main-Verkehrsverbunds.
gilt · seit 27.10.2013
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