Momentan müsste es in deutschen Redaktionsstuben geradezu von Alice Schwarzer Dankesaltären nur so wimmeln. Die Diskussion um das Prostitutionsgesetz in Deutschland und Frau Schwarzers Appell gegen Zwangsprostitution (der zufällig zeitgleich mit ihrem neuen Buch das Tageslicht erblickte) haben geradezu einen Run auf alles ausgelöst was auch nur irgendwie mit käuflichem Sex zu tun hat.
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- Texttyp
- Meinungsessay/Kritischer Kommentar
- Besprochenes Werk / Thema
- Kritische Analyse der medialen Berichterstattung über Prostitution und Sexarbeit in Deutschland im Kontext der Prostitutionsgesetzdebatte.
- Zentrales Argument
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Die Medienberichterstattung über Prostitution ist moralisch motiviert und sensationalistisch, wobei sie sich meist auf High-Class-Escort-Services konzentriert. Das eigentliche Problem liegt nicht in der Legalisierung von Sexarbeit, sondern in den wirtschaftlichen Bedingungen, die Frauen zur erzwungenen Prostitution treiben. Ein Verbot würde Sexarbeiterinnen kriminalisieren, statt die eigentlichen Ausbeuter zu bekämpfen.
- Kernthese
- Die politische und mediale Fokussierung auf ein Prostitutionsverbot verfehlt das eigentliche Problem der Zwangsprostitution, das in internationalen wirtschaftlichen Ungleichheiten wurzelt, nicht in der legalen Existenz von Sexarbeit.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Studierende der Medienwissenschaft, Genderforschung und Politikwissenschaft; Journalisten; Aktivisten der Sexarbeiterrechte; Interessierte an Prostitutionspolitik
- Einordnung durch den Autor
- Medienkritik, Geschlechterforschung, Politische Debattenanalyse
- Verweise im Text
- Entitäten
Bildlich kann ich mir gut vorstellen wie Hundertschaften von Redakteuren mit Fotografen und Kamarateams im Schlepptau die Medienhäuser verlassen und ein fröhliches „Kommt wir fahren in den Puff“ durch die Flure der Redaktionen posaunen.
Endlich! Unter dem Deckmantel der Moral und dem Anspruch die armen Frauen vor den bösen Männern schützen zu wollen können Journalisten endlich mal mit viel Freiraum im Gewerbe recherchieren. Ob Bordsteinschwalbe oder High-Class-Escort, wer aktuell nicht schnell genug vor der Journalistenmeute fliehen kann wird befragt und in Dokus begleitet bis der Kunde kommt.
Die FAZ, die Zeit, ARD und ZDF, kleine Blogs und grosse eMags alle sind an der Sexfront ganz weit vorne dabei. Geht es dabei um die Moral, um die Frauen oder um die Auflage, respektive Quote?
Das Thema Sex gegen Geld ist natürlich ein spannendes und kein neues Thema. Schon vor einigen Jahren begannen die Medien sich sehr offen dem Thema Prostitution zu widmen, meist ging es dabei nicht um die Elendsprostitution, sprich die Frauen die aus den Randlagen der EU und aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach Europa kommen, und dies zwar evtl. freiwliig tun, aber auch weil sie keine andere Möglichkeit mehr sehen ihre Familien zu ernähren. Hier muss tatsächlich die Berufswahl der Frauen in Zweifel gezogen werden, aber eine Verschärfung oder Abschaffung des Prostitutionsgesetzes würde wohl wenig an der Ausweglosigkeit der Frauen ändern, hier ist die Politik eher gefragt etwas an der Situation in den Ländern zu ändern aus denen diese Frauen zu uns kommen (müssen).
Im Jahr 2007 hatte der Stern die Brichterstattung mit dem Thema Escortservice aus dem Tuschelbereich in eine breite Öffentlichkeit getragen, das Journal Frankfurt zog damals mit einer Story über Cora nach. Das Thema blieb aber meist in dem Bereich der hübschen Studentin die sich mit Liebesdiensten und ein wenig lecker und kultiviert Ausgehen ein paar hundert Euro am Abend verdienen können. Der Fall Spitzer sorgte in 2009 für ein weiteres mediales Strohfeuer, und immer ging es dabei um die Oberschicht der Prostitution, aka High-Class-Escort-Service.
In 2009 machte sich die SPIEGEL-Journalisten Carola Dorner daran das Thema unter dem Motto „ungewöhnliche Berufe“ der werten Leserschaft des Politmagazins aus Hamburg vorzustellen.
So richtig kritisch geht es in allen Artikeln, Interviews und Dokumentationen zum Thema Escortservice nie zu, egal ob bei Markus Lanz eine Vanessa Eden (Autorin des Buchs „Warum Männer 2.000 € für eine Nacht zahlen“) zu Wort kommt und von ihrer eher tragischen Kindheit berichtet oder ob bei eine Leipziger Escortdame im Rahmen einer Doku ihr Gewerke vorstellen kann, es hebt sich allerhöchstens der moralische Zeigefinger. Ansonsten ist alles clean und sauber, so wie es wohl auch in den meisten Fällen wirklich ist, dort wo Männer es sich leisten können für zwei Stunden erotischem Geplänkels 450,00 € zu zahlen, wobei mir einmal eine Dame aus dem Bereich ganz offen sagte, dass die Höhe der zu zahlenden Summe nicht wirklich sicherstellt, dass der Mann der die Dame bucht sich wie ein Gentleman benimmt.
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Themen: Kritische Analyse der medialen Berichterstattung über Prostitution und Sexarbeit in Deutschland im Kontext der Prostitutionsgesetzdebatte., Zwangsprostitution, Sexarbeit, Mediensensationalismus, Prostitutionsgesetz, wirtschaftliche Ausbeutung, Geschlechterdebatten, Kriminalisierung, freiwillige vs. erzwungene Prostitution, Die politische und mediale Fokussierung auf ein Prostitutionsverbot verfehlt das eigentliche Problem der Zwangsprostitution, das in internationalen wirtschaftlichen Ungleichheiten wurzelt, nicht in der legalen Existenz von Sexarbeit., Studierende der Medienwissenschaft, Genderforschung und Politikwissenschaft; Journalisten; Aktivisten der Sexarbeiterrechte; Interessierte an Prostitutionspolitik, Medienkritik, Geschlechterforschung, Politische Debattenanalyse
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Zu den Damen die wohl eher weniger Probleme mit der Kundschaft haben gehören die Gründerinnen des „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen„. Ihre Frontfrau, die Sex-Arbeiterin Lena Morgenroth, erklärte am Sonntagabend dem Publikum bei Günther Jauch warum sie ganz freiwillig fremde Männer für 140,00 € mit einer Tantramassage glücklich macht, anstatt als IT-Expertin (die Dame hat Informatik studiert) irgendwo in einem Großkonzern zu arbeiten. Die anwesenden Damen aus der Politik schmeckte die offene und lebensfrohe Dame nun wirklich nicht, da Damen wie Lena Morgenroth eben eine Bedrohung für Frauen darstellen können, deren Männer eben auch gerne einmal in Nachbars Garten nach den Früchten schauen wollen.
Sehen wir einmal über die klassischen Vorurteile, wie Huren würden Männer dazu animieren ihre Fraun zu betrügen, hinweg und hören den Argumenten beider Seiten gut zu, dann ist ein Verbot des ältesten Gewerbes der Welt wohl eher weniger eine Lösung für das Problem der Zwangsprostitution. Wie ich bereits weiter oben geschrieben habe sind es die wirtschaftlichen Bedingungen in vielen Länder die Frauen dazu bringen sich von Männern nach Deutschland und andere europäische Länder bringen zu lassen um dort nicht als Au-Pair, sondern als Prostituirte arbeiten zu müssen. Hier liegt sicherlich das größet Problem, diese Frauen haben oft keine andere Wahl, weil sie in ihren eigentlichen Berufen in ihren Heimtländern keine Chance haben. Auch in Deutschland ist der Arbeitsmarkt für Menschen aus vielen Ländern eher geschlossen, denn weit offen.
Politiker die sich jetzt hinstellen und alle Sexworker zu Opfern machen, machen es sich zu leicht, denn sie verschließen aus meiner Sicht die Augen vor den wahren Gründen warum Frauen in Deutschland dem Beruf der Hure nicht als Traumjob ausüben, sondern tatsächlich ausgebeutet werden und keinen Spaß an der Arbeit haben. Es ist aber Aufgabe der Politik den Kriminellen die diese Frauen ausbeuten das Leben schwer zu machen, und nicht alle Prostituierten zu kriminalisieren, weil sie ihren Beruf nicht mehr legal ausüben können. Damit werden die Sexarbeiterinnen ebenso kriminalisiert wie die Männer die Frauen aus der ganzen Welt zur Prostitution zwingen, und das kann wohl kaum die Lösung des Problems sein.
Wer Vanesse Eden bei Lanz sehen möchte, oder bei 37 Grad, wer einen Blick aug Jocelyn aus Leipzig werfen möchte oder Heike Gaumer zuhören will wie sie über Escort spricht, der muss nur den Links folgen.
Kommen wir aber zurück zur Headline „Heute gehen wir in den Puff“, die mediale Begleitung des Themas hat wirklich etwas lemminghaftes und ich glaube wirklich, dass in manchen Medien nur darüber berichtet wird, weil so mancher Redaktuer mal endlich in den Puff kommt, ohne Mutti beim Abendessen anzulügen, denn es ist ja wirklich beruflich…
== 1 Kommentar ==
Mausflaus 14. November 2013
übrigens gibt es auch männliche prostituierte, sowohl freiwillig als auch zwangsweise. das sollte man nicht vergessen – meistens werden nämlich nur die frauen erwähnt; dabei ist die problematik bei den männlichen vertretern die gleiche. Antworten
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Die intensive Medienberichterstattung über Prostitution in Deutschland wird nicht primär von moralischen Motiven oder dem Schutz betroffener Frauen angetrieben, sondern von Auflage- und Quoteninteressen der Redaktionen.
gilt · seit 13.11.2013
Ein Verbot oder eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes würde das Problem der Zwangsprostitution nicht lösen, weil die eigentliche Ursache in den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in den Herkunftsländern der betroffenen Frauen liegt.
gilt · seit 13.11.2013
Politiker, die alle Sexarbeiterinnen pauschal zu Opfern erklären, kriminalisieren damit sowohl freiwillig tätige Prostituierte als auch die von Ausbeutung betroffenen Frauen gleichermaßen, anstatt gezielt gegen kriminelle Zuhälter vorzugehen.
gilt · seit 13.11.2013
Die mediale Berichterstattung zum Thema Prostitution konzentriert sich fast ausschließlich auf das gehobene Segment des Escort-Services und blendet die Lebenswirklichkeit von Frauen aus, die unter Zwang oder wirtschaftlicher Ausweglosigkeit als Prostituierte arbeiten, weitgehend aus.
gilt · seit 13.11.2013
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