(Massiver Spoileralarm) Entäuscht, gelangweilt und angeödet bin ich mittlerweile von den Krimis von Daniel Holbe. Der neueste Roman „Blutwette“ beginnt so wie die vielen anderen Krimis von Andreas Franz (nach dessen Tod Daniel Holbe die Reihe fortsetzen konnte) mit einer Frau die auf der Flucht ist, gehetzt von einer Horde Männern, so ist zu vermuten, und dann nimmt der Krimi seinen auch so sehr vorhersehbaren Lauf.
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- Texttyp
- Literaturkritik/Buchbesprechung
- Besprochenes Werk / Thema
- Vergleichende Kritik zweier Kriminalromane: Daniel Holbes 'Blutwette' und Martin Suters Allmen-Krimi. Der Text analysiert unterschiedliche narrative Ansätze bei der Darstellung von Erotik und Gewalt in der Kriminalliteratur.
- Zentrales Argument
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Die Verwendung von sexuellem Missbrauch als reines Spannungsmittel in den Franz/Holbe-Krimis wird als künstlerisch unbefriedigend kritisiert, während Martin Suters intelligente und subtile Darstellung von Erotik als literarisch überlegener bewertet wird. Intelligente Erotik und psychologische Tiefe überzeugen mehr als brutale, repetitive Gewaltdarstellungen.
- Kernthese
- Literarische Qualität zeigt sich nicht in der Häufigkeit von Missbrauchsszenen, sondern in der klugen, subtilen Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen und Erotik.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Literaturkritiker, Krimiautoren, anspruchsvolle Leser, Diskussionen über Gewaltdarstellung in Literatur
- Einordnung durch den Autor
- Literaturkritik/Kulturjournalismus, Buchblog
- Verweise im Text
Einzige, aber fast schon traurige, Überraschung ist der Tod von Julia Durants Vater. Der kluge evangelische Pfarrer der in der bayerischen Diaspora den protestantischen Gläubigen ein guter Hirte gewesen sein muss, denn so wurde er in allen Durant-Krimis beschrieben, wird seiner Julia keine moralische Hifestellung mehr geben können. Nun also ist nicht nur die Schwangerschaft von Julia gestorben, sondern auch noch ihr Vater. Ein Schicksalsschlag reichte offenbar nicht aus, oder es ist der Einstieg in den Ausstieg der Julia Durant aus dem Leben als Polizistin?
Damit ist es aber auch schon fast genug an Neuigkeiten in diesem Krimi, denn wie immer geht es um gequälte Frauen, miese Typen und die Verstrickung der oberen Zehntausend (noch miesere Typen) in die Vertuschung der Straftaten.
So sehr es wichtig ist, dass darauf hingewiesen wird wie oft Frauen Opfer von sexueller Gewalt und Mißbrauch werden, so unerträglicher finde ich, über die vielen Jahre in denen ich die Franz/Holbe – Romane lese, den Einsatz des Mißbrauchs als nahezu monothematisches Stilmittel um einen Spannungsbogen aufzubauen.
Es ist am Ende so etwas von durchsichtig wer die Mörderin ist, dass es nichts ausmachen würde, wenn man bei diesem Roman zwischendurch einschläft und dann einfach kurz vor dem Ende weiterlesen würde. Nichts würde einen überraschen.
Auch die halbwegs vernünftige Story um einen gefallenen Boxer kann diesen Roman nicht aus dem Sumpf der Beliebigkeit herausholen. Die Personen und Plätze sind austauschbar. Die Handlung ebenso, der Mißbrauch wird in einer anderen Facette geschildert und ich frage mich was einen Autor so sehr an diesem Thema fasziniert, dass es ihn nicht loslässt, oder geht es nur noch darum brutale Formen von Sex durch den erhobenen, literarischen, Zeigefinger zu schildern?
Allmen und die Erotik
Wie viel entspannter sind da die Krimis von Martin Suter um den hochstaplerischen Ermittler Johann Friedrich von Allmen. Auch hier gibt es natürlich, wie bei jeder Serie, irgendwann eine gewisse Ermüdung in einzelnen Sequenzen, aber Martin Suter hat eben ein feineres Händchen, wenn es darum geht die Alltäglichkeit der Romanfiguren zu schildern.
Von Allmen muss zwar immer wieder mit reizenden Damen in den Clinch gehen, aber dies schafft eine deutlich andere Atmosphäre, als die Brutalität bei Holbe/Franz wenn es um das Thema Sex geht.
Diesmal ist die Erotik, beim Krimi von Daniel Holbe kann gar nicht von Erotik gesprochen werden, bei Suter allerdings Titelthema und deshalb habe ich diese beiden Romane auch absichtlich verglichen.
Allmen hat es diesmal mit erotischen Figuren zu tun und mit einem leeren Geldbeutel, ein Zustand der diesen Mann allerdings nicht komplett verzweifeln lässt, sondern ihn fast schon zu Höchstleistungen anspornt, damit sich dieser Zustand bald wieder bessert. Ganz freiwillig geht J.F.v.A. allerdings nicht an diesen Fall heran, sondern er muss sich einer Erpressung beugen und nur Dank Carlos und der klugen Maria schafft es der verarmte Adelsmann halbwegs unbeschadet aus dieser Story herauszukommen.
Suter schafft es immer wieder, den Spannungsbogen wirklich hoch zu halten. Seine Figuren sind keine durchsichtigen Marionetten einer halbseidenen Handlung mit einem vorhersehbaren Ende, sondern dicht, dunkel und nicht wirklich zu durchschauen.
Suters Erotik ist so leicht wie die Drinks an Jorges Bar schwer sind und die Damen sind hier keine Opfer, sondern höchstens gut bezahlte Täterinnen, ohne das wirklich jemand zu Schaden kommt, sehen wir mal davon ab, dass von Allmen sein Geld hätte besser investieren können.
Da wird der Mißbrauch fast zur Mißhandlung
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Themen: Vergleichende Kritik zweier Kriminalromane: Daniel Holbes 'Blutwette' und Martin Suters Allmen-Krimi. Der Text analysiert unterschiedliche narrative Ansätze bei der Darstellung von Erotik und Gewalt in der Kriminalliteratur., Erotik, sexuelle Gewalt, Spannungsaufbau, Charakterentwicklung, Literarische Qualität, Narrative Vorhersehbarkeit, Stilmittel, Subtilität, Literarische Qualität zeigt sich nicht in der Häufigkeit von Missbrauchsszenen, sondern in der klugen, subtilen Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen und Erotik., Literaturkritiker, Krimiautoren, anspruchsvolle Leser, Diskussionen über Gewaltdarstellung in Literatur, Literaturkritik/Kulturjournalismus, Buchblog
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Sex und/oder Erotik schließen sich nicht aus, schon gar nicht in der Literatur. Sie gehören oft dazu, weil wir es alle mögen wenn es ein wenig knistert. Mehr Spaß macht aber das kluge und versteckte Spiel mit den zwischenmenschlichen Gefühlen, als die brutale, und sich immer nur in Facetten unterscheidende, Schilderung von Gewalt gegen Frauen in den Holbe/Franz-Krimis. Es gibt die böse Seite in Menschen und es ist wichtig dies nicht zu vergessen, aber als reiner Klebstoff für eine vorhersehbare Handlung verwandelt sich die Schilderung des Mißbrauchs fast selbst zu einer Mißhandlung dieses Themas.
Die Chefetagen-Fassung
1️⃣ Vorhersehbarkeit tötet Spannung.
Wer den Täter kennt, bevor er einschläft, und nach dem Aufwachen trotzdem nichts verpasst hat, liest keinen Krimi mehr. Er leidet. Genau das passiert bei Holbe: Personen austauschbar, Handlung austauschbar, Überraschung null.
2️⃣ Missbrauch als Stilmittel ist keine Haltung, sondern Bequemlichkeit.
Auf Gewalt gegen Frauen hinzuweisen ist wichtig. Dasselbe Thema Buch für Buch als einzigen Spannungsmotor zu nutzen ist etwas anderes. Wer Missstände immer gleich verpackt, verharmlost sie am Ende mehr, als er aufklärt.
3️⃣ Erotik und Brutalität sind keine Synonyme.
Martin Suter beweist es mit Allmen. Seine Figuren knistern, ohne dass jemand blutet. Spannung entsteht durch Dichte, Dunkelheit und Unberechenbarkeit der Charaktere, nicht durch Eskalation.
4️⃣ Starke Figuren brauchen keine Schicksalsschläge als Krücke.
Wenn ein Autor seinen Figuren in einem Band Schwangerschaft und Vater nimmt, ist das kein dramatischer Mut. Das ist Verlegenheit. Tiefe entsteht durch Widerspruch im Inneren, nicht durch Verlust von außen.
5️⃣ Die Kernbotschaft.
Wer Missbrauch als Klebstoff für schwache Plots nutzt, misshandelt das Thema selbst.
Dieser Text im CEO-Sprech (5 Regeln) wurde am 15.10.2026 mit claude-sonnet-4-6 erzeugt und eingefügt.
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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen
Martin Suter gestaltet Erotik in seinen Allmen-Krimis als leichtes, atmosphärisches Element, in dem Frauen keine Opfer, sondern handlungsmächtige Figuren sind — im Gegensatz zur Darstellung von Sex als Brutalität bei Holbe/Franz.
gilt · seit 06.11.2018
Die wiederholte Schilderung von Missbrauch als bloßes narratives Bindemittel für eine vorhersehbare Handlung stellt selbst eine Misshandlung des Themas dar und verfehlt damit seinen gesellschaftlichen Aufklärungsanspruch.
gilt · seit 06.11.2018
Daniel Holbe setzt sexuellen Missbrauch von Frauen in seinen Krimis als nahezu monothematisches Stilmittel ein, um einen Spannungsbogen aufzubauen, was den literarischen Wert dieser Romane entwertet.
gilt · seit 06.11.2018
Die Krimis der Reihe um Julia Durant (Franz/Holbe) sind handlungstechnisch so vorhersehbar, dass das Überspringen von Teilen des Textes das Leseerlebnis nicht wesentlich verändern würde.
gilt · seit 06.11.2018
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