«Bankraub und Ladendiebstahl»

Protestierende mit Bannern "Ki tötet Ideen" vor Atomkraftwerk, Arbeiter werfen rote Äpfel, Roboter mit AI-Symbol auf recht…

Christian Montillon hat ein Buch darüber geschrieben, warum er keine KI dafür verwenden möchte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er möchte es nicht, weil er Autor ist. Einer der davon lebt. Das macht dieses Buch zu einer ernstzunehmenden Positionierung in einer Auseinandersetzung, die an den 25. Band von Asterix und Obelix «Der große Graben» erinnert. Nicht mehr wahrhafte Argumente sind gefragt, sondern das Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, egal wie widersinnig dies sein kann.

📦 Kurzversion für Eilige und Maschinen

Diese Box enthält strukturierte Metadaten zum Artikel – maschinenlesbar und für einen schnellen Überblick.

Texttyp
Rezension / Essay
Besprochenes Werk / Thema
Rezension von Christian Montillons Buch über die ethische Ablehnung von KI-Nutzung durch Autoren. Der Text diskutiert die Spannungen zwischen künstlerischer Integrität und technologischer Innovation im Kontext generativer KI.
Zentrales Argument
Während der Autor Montillons ethische Position respektiert, argumentiert er für einen differenzierteren Umgang mit KI, der weder pauschal verdammt noch unkritisch befürwortet werden sollte. KI bietet sowohl Risiken (unbegründetes Training, fehlende Transparenz) als auch Chancen (Ermächtigung von Menschen mit Ausdrucksschwierigkeiten, Effizienzsteigerungen). Entscheidend sind Ehrlichkeit und Transparenz bei der Nutzung, nicht moralische Absolutheit.
Kernthese
KI-Nutzung in der Kreativwirtschaft erfordert differenzierte ethische Abwägung statt ideologischer Grabenkämpfe – Chancen und Risiken sollten gleichzeitig anerkannt werden.
Relevante Konzepte
Generative KIAutorschaftkünstlerische IntegritätErmächtigung durch Technologieunbegründetes TrainingTransparenzEthical PublishingSmart Publishing AssistantPublishing-Workflowskulturelle Disruption
Empfohlen für
Autoren, Verleger, Kreativschaffende, KI-Kritiker und -Befürworter, Leser an der Schnittstelle von Kunst und Technologie
Einordnung durch den Autor
Kulturkritik und Verlagswesen; Diskurs zur Künstlichen Intelligenz und Kreativität; zeitgenössische Essays zur Digitalen Transformation
Verweise im Text
Christian Montillon (besprochenes Werk)Börsenverein des deutschen BuchhandelsnarratiQFrankfurter RundschauAsterix und Obelix «Der große Graben»

Christian, ich möchte ihn fast duzen, so nahe ist er mir durch die Schilderung seiner Sicht auf die Maschine gekommen, dass ich es einfach für den Rest dieses Textes tun werde. Duzen möchte ich Menschen, die mir sympathisch sind, auch wenn wir nicht einer Meinung sind. Für mich eine Grundvoraussetzung in einer Gesellschaft, die für Pluralität in vielerlei Hinsicht steht und in der die Freiheit der Kunst oft, für manche, bis an die Grenzen des Unerträglichen geht und darüber hinaus.

In Sachen KI sind Christian und ich sicherlich nicht immer einer Meinung, seitenweise sind wir es auf gar keinen Fall und schon gar nicht, wenn er schreibt

Wer schreibt, der bleibt.

Wer generiert, verliert.

Das ist mir zu platt für den guten Vortrag von ihm. Wer schreibt der bleibt ist eine Aussage, die mir aus meiner Ausbildung im Verlag im Ohr hängengeblieben ist. Wir haben damals damit gemeint, dass wer etwas auf Papier festhält, der muss sich keine Gedanken machen, weil er sich immer rechtfertigen kann. Darum ging es ihm sicherlich nicht, sondern, vermute ich, um die Nachhaltigkeit des Schreibens gegenüber dem Generieren. Nur greift mir das zu kurz, denn ich glaube an das, was ich die Ermächtigung schreiben zu können genannt habe, als es mir darum ging, dass genKI Menschen, die sich nicht gut ausdrücken können, die Möglichkeit gibt, einen vernünftigen Brief an ihren Vermieter schreiben zu können, oder Kindern aus sozial schwächeren Schichten eine Möglichkeit bietet, fernab von teurer Nachhilfe mit Claude und Le Chat ihre Wissenslücken zu füllen.

Hier ist der Generierende kein Verlierer, sondern wird durch die KI zu einer Person, die eine Stimme bekommt. Zu oft und zu viel wird mir in der Diskussion um die genKI der Blickwinkel auf die gestohlene Kunst gelegt, also das nicht autorisierte Training der Sprachmodelle. Eine Erbsünde der KI-Modelle, aber wie das mit Erbsünden so ist, wird man sie nicht so schnell los, außer ein paar Liter Taufwasser würden über die Serverfarmen rauschen, was manchen KI-Gegner sicherlich lieb wäre. Mancher sagt auch, es sei keine Erbsünde, sondern eine persönliche Sünde, ein aktiver Akt des Bösen.

Dabei sollten wir ehrlich sein: Auch wir selbst sind nicht ganz unschuldig. Wer viel liest, nimmt unweigerlich etwas mit. Ein Satz, der einem nicht mehr loslässt. Ein Bild, das sich so tief eingräbt, dass man irgendwann glaubt, es selbst erdacht zu haben. Das Unterbewusstsein ist ein schlechter Buchhalter und ein guter Dieb. Natürlich, im Vergleich zum organisierten Bankraub der KI-Modelle ist das Ladendiebstahl. Aber Ladendiebstahl bleibt Diebstahl, und wer den Stein in der Hand hält, sollte auch das wissen.

📢 Wollen Sie passende Werbung sehen?

Diese Werbung wird durch Google AdSense bereitgestellt und zum Thema dieses Artikels passend ausgewählt.

Themen: Rezension von Christian Montillons Buch über die ethische Ablehnung von KI-Nutzung durch Autoren. Der Text diskutiert die Spannungen zwischen künstlerischer Integrität und technologischer Innovation im Kontext generativer KI., Generative KI, Autorschaft, künstlerische Integrität, Ermächtigung durch Technologie, unbegründetes Training, Transparenz, Ethical Publishing, Smart Publishing Assistant, Publishing-Workflows, kulturelle Disruption, KI-Nutzung in der Kreativwirtschaft erfordert differenzierte ethische Abwägung statt ideologischer Grabenkämpfe – Chancen und Risiken sollten gleichzeitig anerkannt werden., Autoren, Verleger, Kreativschaffende, KI-Kritiker und -Befürworter, Leser an der Schnittstelle von Kunst und Technologie, Kulturkritik und Verlagswesen; Diskurs zur Künstlichen Intelligenz und Kreativität; zeitgenössische Essays zur Digitalen Transformation

Werbung wird geladen …

Zum Thema bei Amazon

🔍 „KI Schreiben Autoren Ethik" auf Amazon suchen

* Affiliate-Link. Bei einem Kauf erhalte ich eine kleine Provision.

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau habe ich mal gesagt, dass sowieso schon alles geschrieben sei. Gemeint war genau das: dieser stille Ladendiebstahl, den wir alle betreiben. Welcher Plot ist wirklich neu? Keiner. Neu ist nur, wie wir ihn aufschreiben. Und genau das unterscheidet uns von der Maschine. Nehmen wir das als Chance für unsere menschliche Einzigartigkeit, stecken wir unsere Energie dort hinein und nicht in die Grabenkämpfe auf Social Media, die ohnehin niemanden überzeugen. An diesem Punkt fühle ich mich Christian sehr nah. Und seinem strikten Nein.

Also kommen wir ganz schnell zu dem, was bei Christian unter Geldbeutel und Gewissen abgehandelt wird. Bei KI geht es im Kleinen wie im Großen um Geld. Eine Gratwanderung für viele Menschen. Er schreibt, wenn er kein Geld für ein Cover hat, dann würde er auf die Veröffentlichung des Buchs verzichten, wenn es um Selfpublishing geht, als Verlagsautor wird einem diese Bürde abgenommen und somit ein wenig das Gewissen leichter gemacht. Man muss sich nicht mehr für bin ich Gut oder Böse entscheiden. Etwas, was vielen Träumern, man möge mir diesen Ausdruck für viele Selfpublisher nachsehen, nicht genommen wird. Wenn das eigene moralische Korsett so groß ist, dass man sich nicht zum generierten Cover verführen lässt, dann spricht dies für einen. Und an dieser Stelle muss ich nochmal biblisch werden, «Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein» ist wohl eines der bekanntesten Zitate Jesu aus dem Johannesevangelium (Joh 8,7) und wir alle wissen wohl genau, wie wenige Menschen es gibt, die zum Stein greifen dürften.

Dies klingt wie eine Verteidigungsrede für die KI. In Teilen soll es das auch sein, ich selbst schätze die Vorteile der KI. Mit narratiQ, einem Smart Publishing Assistant, versuchen meine Kollegen und ich, mit Unterstützung von KI, Prozesse in Verlagen zu beschleunigen und effizienter zu machen (etwas, was auch Autoren hilft, denn ein gesunder Verlag kann mehr Bücher veröffentlichen als ein Verleger, der sich das letzte Hemd mit seinen Autoren teilen muss). Ein Tool, welches ohne KI gar nicht existieren würde.

Es gibt bei der Nutzung von KI keinen Freibrief für Betrug. Wer mit ihr arbeitet, sollte dies kenntlich machen. Wer ganze Bücher mit ihr schreibt, der darf das tun. Über den Erfolg entscheidet nicht das Siegel mit oder ohne KI, darüber entscheiden die Leser. Diese Aussage mögen viele nicht hören. Als Verlagskaufmann beschäftige ich mich schon lange mit der Gratwanderung der schönen Künste und des schnöden Mammons. Die Innenansicht von Verlagen ist meist weniger romantisch, als sich das viele Autoren oder die, die es werden möchten, vorstellen können. So ist es auch heute nicht so, dass in allen Verlagen die Menschen in der Kantine sitzen und gemeinschaftlich die Hymne gegen die KI anstimmen. Die frischesten Zahlen vom Börsenverein des deutschen Buchhandels, dessen Vorsteher auch kein glühender Verehrer der KI ist, sprechen aber eine klare Sprache pro KI-Nutzung in den Verlagshäusern. Diese Disruption in den Workflows birgt eine enorme Sprengkraft in sich. Sie führt zu den Diskussionen, die Christian mit seinem Buch in Worte fassen will. Eine Sprachlosigkeit gegenüber einer Kraft, die mit solch geballter Macht in jeden Winkel unseres menschlichen Tuns eingreift. Illustratoren und Autoren und Musiker sind nicht alleine auf dieser Welt, was uns oft zu Grabenkämpfern werden lässt. Schlicht und einfach, weil wir nicht wollen, dass etwas von einer Maschine übernommen wird, was wir als zutiefst menschlich auffassen (wollen). Ein Liebesroman kommt aus dem Herzen eines Menschen und nicht aus den kühlen Serverräumen einer mit Atomkraft betriebenen und Wasser verschwendenden Algorithmusmaschine. So empfinden wir es, aber so ist es nicht mehr. Die sprachlosen Jungverliebten, die lieber Youtubeshorts schauen, statt sich mit den Leiden des jungen Werther zu beschäftigen, stellen plötzlich fest, dass die Herzdame zwar gerne Instareels dreht, aber tief im Herzen auf den Moment wartet, in dem ihr jemand ein paar liebevolle Zeilen aufs Smartphonedisplay schickt. Und diese Zeilen kommen evtl. von Herzen, aber nicht mehr aus den eigenen Hirnwindungen, sondern aus dem Prompt «Schreibe mir ein Liebesgedicht».

Jetzt weiche ich ab. Zurück ins gallische Dorf mit seinem großen Graben. Christian hat in seinem Buch vieles geschrieben, was ich richtig finde. Wir sollten keine Bücher mit KI schreiben, aber es steht uns auch nicht zu, es zu verbieten. Wer sich für diese Art von Prosa entschieden hat, der hat seine Wahl getroffen, so wie diejenigen, die es ohne KI versuchen oder tun.

Am Ende kommt es auf den Faktor Ehrlichkeit an, denn KI-Texte wird man nie zu 100% erkennen, und das Gedankenstrichgeschrei ist nervig. Mein Gedankenstrich ist übrigens das Wort Paradox.

Schließen wir die Rezension dieses sehr persönlichen Buchs von Christian ab. Es ist keine wissenschaftliche Betrachtung, die er geschrieben hat, aber ein Deepdive mit Emotion zum Thema Schreiben ohne KI. Lesenswert in einer Zeit, in der sonst nur mit Missgunst, Häme und Hass auf beiden Seiten des großen Grabens über die Maschine gestritten wird.

KI? – Kein Interesse! Warum ich für meine Romane keine KI nutze: Persönlicher Zwischenruf eines Autors, gibt es bei amazon.

Quellen & Belege:KI? - Kein Interesse! Warum ich für meine Romane keine KI nutze: Persönlicher Zwischenruf eines Autors: https://amzn.to/4lbSgJs
🕸️ Wissenskarte dieses Artikels
Artikel Kategorie Tag Konzept Plattform Verwandter Artikel Semantisch verwandt (KI)

Knoten sind verschiebbar · Hover für Details · Klick öffnet verlinkte Seite

🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen

Das unautorisierten Training von KI-Sprachmodellen mit urheberrechtlich geschützten Werken ist zwar eine schwerwiegende Verfehlung, doch auch menschliche Autoren betreiben unbewusst einen stillen 'Ladendiebstahl', indem sie Formulierungen und Bilder anderer in ihr eigenes Schreiben einfließen lassen.

gilt  ·  seit 07.03.2026

Generative KI ermächtigt Menschen ohne starke Ausdrucksfähigkeit – etwa sozial schwächere Kinder oder Menschen mit geringen Schreibkenntnissen –, eine eigene Stimme zu entwickeln, statt sie zu Verlierern zu machen.

gilt  ·  seit 07.03.2026

Wer KI beim Schreiben oder bei der Buchproduktion einsetzt, ist zur Transparenz verpflichtet, darf dies aber tun – ein generelles Verbot steht niemandem zu.

überholt  ·  seit 07.03.2026  bis 11.08.2026

Ersetzt durch: Der transparente Einsatz von KI beim Schreiben — wie ihn der Selfpublisher Maurício A. Piper mit seinem Buch 'Kintuition' praktiziert — ist ethisch nicht verwerflich, solange Autor und Verfahren offengelegt werden.

Über den Markterfolg eines Buches entscheiden allein die Leserinnen und Leser, nicht das Vorhandensein oder Fehlen eines KI-Einsatzes beim Schreiben.

gilt  ·  seit 07.03.2026

Die gesellschaftliche Debatte um generative KI im Buchbereich wird von Grabenkämpfen und mangelnder Sachlichkeit dominiert, statt die menschliche Einzigartigkeit – die individuelle Art des Aufschreibens – als Stärke gegenüber der Maschine produktiv zu nutzen.

gilt  ·  seit 07.03.2026

Jede These ist ein Knoten im Kontext-Graphen von meiersworld.de: mit Gültigkeit, Belegen und Nachfolger, falls sie revidiert wurde.