Aus Playboy und Penthouse — so hieß eine Rubrik, die es früher auf meiersworld gab. Mein Vater hatte den amerikanischen Playboy abonniert, was bedeutete, dass ich als heranwachsender junger Mann früh Zugang zu einer Publikation bekam, die sich selbst als «First-Class-Magazin mit erotischer Fotokunst, erstklassigen Schreibern, spannenden Reportagen und ehrlichen Interviews» bezeichnete. So vererbte sich das Interesse an diesem Magazin vom Vater auf den Sohn. Heute schaue ich gelegentlich noch auf die Onlinepräsenz des Magazins — und bin dabei auf etwas gestoßen, das ich euch nicht vorenthalten möchte.
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- Texttyp
- Kulturkritischer Essay
- Besprochenes Werk / Thema
- Linguistische Analyse von Euphemismen in der Sexualsprache
- Zentrales Argument
-
Direktes Sprechen über Sex ist ehrlicher als beschönigende Euphemismen wie 'Liebe machen'
- Kernthese
- Euphemismen verschleiern Scham und sollten durch direkte Sprache ersetzt werden.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Kulturinteressierte, Sprachkritiker, Erwachsene
- Einordnung durch den Autor
- Zeitgenössische Kulturkritik mit linguistischem Fokus
- Verweise im Text
Oscar-Preisträgerin Charlize Theron war zu Gast in SubwayTakes, eine Youtube/Podcast-Show, die irgendwo zwischen Talkformat und New Yorker U-Bahn-Experiment angesiedelt ist. Der Gastgeber, Comedian Kareem Rahma, eröffnete das Gespräch mit der Frage: «Also, was ist deine Meinung zu Liebe machen?» Was folgte, war eine Abrechnung mit diesen zwei Wörtern, die — folgt man Theron — keiner Mann jemals wieder aussprechen sollte.
«Liebe machen.»
Therons Reaktion auf diese Formulierung war unmissverständlich: Sie tat so, als würde sie sich übergeben. Nicht metaphorisch. Körperlich. Mit allem, was dazugehört.
«Da gibt es viel zu analysieren» sagte sie, «aber eigentlich nicht. Es ist ganz einfach: Sag es einfach nicht, verdammt noch mal.»
Und dann, für alle, die es noch immer nicht verstanden hatten: «Meine Vagina verschließt sich sofort.»
An dieser Stelle rief eine Fremde aus dem Off: «WAS???» — denn, man erinnere sich, wir befinden uns in der New Yorker U-Bahn, einem Ort, an dem man zwar vieles erwartet, aber selten so präzise gynäkologische Auskunft.
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Was Theron beschreibt, ist im Grunde ein linguistisches Problem. «Liebe machen» ist ein Euphemismus, der das eine meint und das andere vortäuscht — und genau diese Unehrlichkeit ist es, die stört. Nicht der Akt. Die Verpackung.
«Ich will nicht, dass du etwas mit mir machst» sagte sie. «Ich will, dass du etwas mit mir tust.»
Und dann, für den Fall, dass noch Unklarheiten bestehen sollten: «Fick mich einfach.»
Man kann Charlize Theron vieles nachsagen, aber nicht, dass sie um den heißen Brei herumredet.
Etymologisch betrachtet hat der Ausdruck übrigens eine respektable Geschichte. Im 16. Jahrhundert bedeutete «Liebe machen» schlicht: flirten, hofieren, umwerben. Die körperliche Bedeutung schlich sich erst in den 1920er Jahren ein. W. Somerset Maugham verwendete den Begriff 1958 noch im alten Sinne, als er schrieb, ein Liebhaber käme nachts nicht mehr ans Fenster, «um durch das eiserne Gitter mit ihr Liebe zu machen». Nein, er hatte keinen Sex durch ein Tor. Er flirtete. Das ist der Unterschied, den die Sprache über Jahrzehnte verwischt hat — und den Theron in der U-Bahn wieder scharf gezogen hat.
Ob man ihr in allem zustimmen muss, sei dahingestellt. Dass sie recht hat mit der Grundthese — Sprache über Sex sollte so direkt sein wie der Sex selbst — das leuchtet ein. Euphemismen sind meistens ein Zeichen dafür, dass man sich schämt. Entweder für das, was man tut. Oder dafür, dass man es will.
Beides ist, mit Verlaub, keine besonders gute Grundlage.
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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen
Euphemismen für Sex sind in der Regel ein Zeichen von Scham — entweder für den Akt selbst oder für das eigene Verlangen danach — und bilden deshalb keine gute Grundlage für menschliche Sexualität.
gilt · seit 22.05.2026
Sprache über Sex sollte so direkt sein wie der Sex selbst.
gilt · seit 22.05.2026
Der Ausdruck 'Liebe machen' ist ein Euphemismus, der durch seine Verschleierung von Direktheit als linguistisch unehrlich wirkt und deshalb abzulehnen ist.
gilt · seit 22.05.2026
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