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Fitzelchen: Bitte nicht stören
By admin ⋅ 19. August 2011 ⋅ Post a comment
Filed Under fitzelchen, hotel, hotelzimmer, klingelton, kurzgeschichte, streit
Die Straße hatte sich gegen Abend sehr gut gefüllt, denn im kleinen Weinlokal von Pascal feierte eine französische Sippe die Taufe eines ihrer Mitglieder. Da der Tauftag auf den französischen Nationalfeiertag fiel, musste sich Pascal an diesem Abend keine Sorgen um den Umsatz, aber um seine Vorräte machen.
Die acht Tische vor dem Lokal hatten die männlichen Mitglieder der Feiergemeinde beiseite geschoben und nur die kleinen Tische hatten noch eine Daseinsberechtigung: Als Abstellfläche für leere Gläser, volle Flaschen und die Aschenbecher.
Mehrfach hatte bereits eine Streife des nahegelegenen Polizeireviers einen Blick auf die feuchtfröhliche Versammlung geworfen, aber da sich kein Nachbar beschwerte, die meisten hatten sich wohl unter die Feierenden gemischt, ließen es auch die zuständigen Polizisten bei einem kritischen Blick.
Im Troubel der Feierlichkeiten hörte niemand die lautstarke Unterhaltung aus einem der offenen Fenster im gegenüberliegenden Hotel, und da niemand die heftige Debatte zwischen einem Mann und einer Frau hörte, konnte auch niemand mitbekommen wie dieser Streit plötzlich endete.
Es sollte lange dauern bis in den frühen Morgenstunden des 15. Juli einem Nachtschwärmer auf dem Heimweg das offene Fenster und das brennende Licht im Hotelzimmer auffiel. Dennoch sollten noch mehr Zeit verstreichen bis Pascal bei einem letzten Blick in die Straße auffiel, dass im Hotel gegenüber in einem Zimmer das Fenster offenstand und ein Telefon in regelmäßigen Abständen klingelte. Es ging niemand ran. Pascal schüttelte den Kopf und wunderte sich über den festen Schlaf des Zimmergastes. Da er aber bis zum Schluß der Feier auch noch kräftig dem Pastis gefrönt hatte, machte er sich keine Gedanken und schloss sein Lokal ab und radelte heim.
Patricia die Kellnerin des kleinen Bistros an der Ecke kam wie jeden Tag gegen halb Sechs zur Arbeit und hörte im Hotel aus einem offenen Zimmer den Klingelton eines Mobiltelefons, der Klingelton erinnerte sie an eine heiße Sommernacht und sie pfiff leise die Melodie mit, während sie die Tische und Stühle für die ersten Gäste auf den Gehsteig stellte. Max der Bäcker kam mit den Brötchen und Croissants vorbei und schmunzelte und scherze über den guten Schlaf des Hotelgasts.
Die ersten Sonnenstrahlen krochen in die kleine Strasse und die Bewohner machten sich, nach der kurzen Nacht, auf den Weg in ihre Büros und schüttelten ihre schweren Köpfe. Mancher schaute unter dem offenen Fenster nach oben und dachte sich, das Hilde, die Chefin des Hotels, sicherlich nicht glücklich sein würde über die Gardine die nach draußen geweht worden wahr und die nun den Tauben als Spielzeug diente.
Das Klingeln hatte aufgehört und Patricia hatte die ersten zwei Durchgänge der Bistrogäste hinter sich. Sie plauderte ein wenig mit Rolf, dem Friseur aus der Straße und rauchte mit ihm eine Zigarette. Beide unterhielten sich über die Tauben und das offene Fenster und wie heftig die Nacht wohl auf Zimmer 16 gewesen sein musste. Rolf konnte von außen erkennen welches Fenster zu welchem Zimmer gehörte, weil er schon lange eine heimliche Statistik über die Auslastung führte.
Gegen 10 Uhr traf Ivona, die Hotelputzfrau, im Bistro ein, und beschwerte sich lauthals über den Gast aus Zimmer 16.
Dieser hatte immer noch das „Bitte nicht stören“-Schild vor der Tür hängen. Alle anderen Zimmer hatte sie schon durch und machte nun eine kurze Pause bei einem Tee und einer Kippe.
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„Frischer Sommersalat mit Putenbruststreifen“, das heutige Mittagsgericht hatte gerade seinen Weg auf die kleine Tafel vor dem Bistro gefunden, als ein gellender Schrei die Stille der kleinen Straße durchbrach.
Sofort bildete sich ein Auflauf und die Gäste des Bistros und die Kunden aus den umliegenden Läden schauten hoch zu Zimmer 16, aus dem der Schrei gekommen war. Die Tauben flatterten aufgeregt davon und in der Ferne kündigte sich ein Streifenwagen an.
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One Response to “Fitzelchen: Bitte nicht stören”
und jetzt ?! Wie geht es weiter ?!
Posted by Markus | 25. September 2011, 20:03 Reply to this comment
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Die Kurzgeschichte 'Bitte nicht stören' schildert implizit ein Verbrechen (vermutlich einen Mord) in einem Hotelzimmer, das von den Bewohnern einer kleinen Straße über Stunden hinweg unbewusst ignoriert wird, weil gesellschaftliche Ablenkungen und Alltagsroutinen den Blick für das Ungewöhnliche verstellen.
gilt · seit 19.08.2011
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