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Fitzelchen: Der Brief des alten Freundes
By admin ⋅ 27. März 2011 ⋅ Post a comment
Filed Under anne, austern, berge, Bilder, champagner, Dekolleté, fitzelchen, kühe, laurent, paradeplatz, pics
Als er den Füllfederhalter an die Seite gelegt, den Brief gelesen und noch einen Schluck Wein genommen hatte, da wurde ihm bewusst, dass nun auch der letzte Schritt gemacht werden musste.
Die Zahlenkombination tippte er blitzschnell ein, dann hörte er das kurze surren des Tresors. Die Tür ließ sich leicht öffnen, wie immer! Er blickte in den grauen Stahlbehälter, nahm den Geruch der eingelagerten Gegenstände auf und griff dann, er musste nur kurz nachdenken, zielsicher zu.
Als die Sonne am nächsten Tag über dem Tal aufging schritt er bereits den kleinen Bach am seinem Grundstück ab und schaute den Kühen auf der anderen Seite des Bachbetts zu. Beneidenswerte Geschöpfe, so unschuldig.
Anders als sein nächster Klient, dieser hatte Schuld auf sich geladen und er hatte die Aufgabe diese Schuld zu offenbaren, so wie schon in vielen Fällen vorher. Nur in diesem Fall fiel es ihm wirklich schwer, denn er wusste, wem er begegnen würde, aber er würde seinen Auftraggeber nicht enttäuschen.
Laurent checkte um kurz nach 10 Uhr im Hotel am Paradeplatz ein und ließ sich gegen 11 Uhr eine Flasche Champagner bringen, dazu ein Dutzend Austern und einen Burger für seinen Gast. Für diesen bestellte er auch eine Coke, Zero trank er meistens.
Die Sonne fiel auf den Tisch mit dem Koffer, der zweite Gegenstand im Raum warf einen langen Schatten bis zum großen Bett, dort hatte er schon alle Utensilien aufgebaut die in den nächsten Stunden notwendig sein würden.
Er trat auf den Balkon, nahm einen tiefen Atemzug und schaffte es das laute Quitschen der Straßenbahnen vollkommen aus seinem Kopf zu verdrängen. Er hörte die Stille der Berge und dennoch konnte er sich nicht konzentrieren, so wie es notwendig gewesen wäre. Ein Blick auf seine Hände verriet ihm seine eigene Nervosität. Die nächsten Stunden erregten ihn jetzt schon so sehr, es brachte ihn an seine Grenzen.
Der Brief lag noch auf dem Schreibtisch, an der Stelle an der er ihn gestern abgeschlossen hatte. Der Umschlag mit der Adresse wartete nur darauf seinen Inhalt aufzunehmen und seine Reise anzutreten. Wenn er seinen Morgenspaziergang beendet hatte, dann wollte er ihn zur kleinen Poststelle im Nachbartal bringen, obwohl es egal sein würde, sie würden wissen wo sie suchen müssen. Es würde zu klar sein, kein Polizist der Welt würde die Zusammenhänge nicht sehen. Seine Hände zitterten, die Unruhe würde ihn umbringen, wenn er sie nicht bald unter Kontrolle bringen würde.
Ein Blick auf die Uhr; eigentlich noch zu früh für den ersten Schluck, dennoch trank er gierig aus dem Flachmann, die Schärfe des Alkohols tat weh, der Geschmack auf seiner Zunge mahnte ihn, dass diesmal alles außer Kontrolle geriet. Die vielen Jahre der Sicherheit, die Routine vor jedem Auftrag, die Selbstsicherheit, alles dahin in dem Moment in dem er den Umschlag mit dem Bild in den Händen gehalten hatte und wenige Tage später die Überweisung auf sein Konto valutiert worden war.
Mit dem elften Glockenschlag des Münsters hatte das Zimmermädchen, eine dunkle Schönheit mit traumhaften Brüsten, seine Bestellung im Salon der Suite angerichtet. Ein üppiges Trinkgeld sorgte für ein aufreizendes Lächeln und sie ließ ihn gewähren als er sich einen etwas zu langen Blick auf ihr Dekolleté gönnte, damit endete aber dieser kurze Ausflug in die Welt der Lüste. Konzentration musste endlich einkehren, nur noch wenige Minuten und es würde wieder an der Tür klopfen.
Mit wenigen Handgriffen hatte er die Flasche Champagner geöffnet und sein Glas, mit dem wunderbarsten was aus Weintrauben gewonnen werden konnte, gefüllt. Er atmete die Noten von frischen Johannisbeeren und einem leichten Hauch von frischen Erdbeeren ein, dann nahm er einen Schluck der Puffbrause, wie seine Kollegen immer sagten.
Mit dem Besuch der alten Dame zog er sich für die nächsten Minuten auf die Couch des Zimmers zurück und versuchte so seine Seele auf das bevorstehende Ereignis einzustimmen.
Der Bus hatte die letzte Talkehre hinter sich gelassen und rollte nun auf sein Ziel zu, dort angekommen hatte er keine Möglichkeit mehr umzukehren. Der Mercedes seines Auftraggebers würde auf ihn warten und zum Ziel bringen. Die letzten Instruktionen würden ihm dort erteilt werden, ein weiterer Bestandteil dieses Auftrags der ihn extrem nervös machte. Normalerweise wusste er immer schon Wochen vorher was zu tun sein würde und wie er seinen Auftrag zu Ende bringen würde. Diesmal hatte der Auftraggeber an seine exorbitant hohe Überweisung einige Bedingungen geknöpft die ihn fast dazu gebracht hätten den Auftrag abzulehnen.
Die Limousine rollte ihrem Ziel entgegen, jeder Meter auf der Straße verringerte die Distanz zwischen ihm und ihr. Ihr, die sein Ziel sein sollte. Seinen Auftrag hatte er verstanden. Eine kurze, aber deutliche, Anweisung wurde ihm direkt nach dem Zusteigen in den Wagen gereicht. Seine Gedanken kreisten fast nur noch um den Brief und dessen Inhalt. Dann stoppte der Wagen.
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Sie betrat das Zimmer mit ihrer Karte und begrüßte ihm mit einem sanften Kuss auf seine Lippen, griff nach dem Buch und lächelte. „Der Besuch der alten Dame, mein Lieber möchtest Du mir etwas damit sagen?“. Sie hatte den ganzen Raum eingenommen und er wusste nicht was er sagen sollte. So brachte er nur ein kurzes „Nein“ heraus und überließ ihr die Regie für die folgenden Minuten.
Der Champagner prickelte, die Austern mundeten und auch sie hatte ihre kleine Vorspeise wie sie es genannte hatte mit viel Appetit verspeist. Nach diesem Vorspiel zog sie sich ins Bad zurück und ließ ihn alleine mit seiner Lust. Ihr Parfüm lag in der Luft und er konnte schon jetzt den Geschmack auf ihrer Haut erahnen.
Laurent ahnte nicht in welcher Gefahr er sich befand, und noch weniger konnte er wissen was Anne damit zu tun hatte. Der Champagner hatte ihn beflügelt und er bereitet die Utensilien vor.
Sie hatte das Zimmer betreten, der Atem stockte ihm!
Anne, wie er sie in Erinnerung hatte, nur noch schöner, noch atemberaubender. Er konnte nachempfinden, wie sich der Mann auf der anderen Straßenseite fühlen musste. Beim Anblick der kleinen Mahlzeit musste er schmunzeln: Ein klein wenig für den Füller des Herren und für sie ein paar Kohlehydrate für die bevorstehende Aufgabe. Sie hatte sich nicht geändert, seine Hände hatte er nun voll und ganz unter Kontrolle. Obwohl Anne ihn nervös machte, seine Professionalität hatte die Oberhand gewonnen und er würde seinen Auftrag ausführen können.
Sie kam aus dem Bad, dort hatte sie den Brief noch einmal gelesen und kurz an das Anwesen in den Bergen gedacht, die Stille und die schönen Momente, aber dafür würde in den nächsten Stunden keine Zeit sein, denn Laurent würde ihr wieder einmal alle Konzentration abverlangen.
Sie betrat das Schlafzimmer und sah, das er alles vorbereitet hatte, ein braves Kerlchen. Ihr Blick fiel auf das große Panoramafenster der Suite, und als sie sich zum Bett rumdrehte meinte sie einen kleinen Blitz gesehen zu haben.
Er hatte abgedrückt. Sein Atem ging ruhig und er hatte den Job wie gewünscht erledigt.
Auf Platz 1C des Flugs nach Miami dankte Anne sich am nächsten Tag selber dafür, den Brief ihres alten Freundes gelesen zu haben. Auf keinem der Fotos konnte ihr Gesicht erkannt werden. Nur der arme Laurent machte keine besonders politisch korrekte Figur auf den Bildern der Morgenzeitungen, aber ihr eigener Hintern sah top aus. Sie schloss die Augen und hörte den Bach und die Kühe……
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