An einer Ecke der Neuen Mainzer Strasse warten partyfreudige Angestellte aus den umliegenden Banken und Kanzleien auf ihren Wodka-Sahne-Waldmeister-Shot.
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- Texttyp
- Reiseblog/Eventbericht
- Besprochenes Werk / Thema
- Kritische Erfahrung des Autors bei einer Veranstaltung in einer modernen Bar an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurt. Der Text dokumentiert Beobachtungen zu Publikum, Ambiente und insbesondere zur Weinqualität und Preisgestaltung.
- Zentrales Argument
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Die Location repräsentiert Frankfurts Banking-Elite mit problematischen gastronomischen Standards, insbesondere bei der Weinauswahl und -preisstrategie. Trotz gehobenen Publikums fehlen Qualitätsbewusstsein und faire Preisgestaltung. Der Abend offenbart die Diskrepanz zwischen anspruchsvollem Publikum und mangelnder kulinarischer Sorgfalt.
- Kernthese
- Frankfurter Gastronomen täuschen zahlungskräftige Bankkundschaft systematisch bei Wein durch schlechte Qualität und unfaire Preise.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Gastronomie-Interessierte, Frankfurt-Kenner, kritische Konsumenten, Blogger-Leser
- Einordnung durch den Autor
- Kulturjournalismus/Lifestyle-Blogging, Stadtsoziologie
- Verweise im Text
- Entitäten
Geduldig stehe ich in der Reihe und bekomme auch mein Begrüßungs-IKEA-Glas in die Hand gedrückt, dazu ein viel Spaß von der adretten Wodka-Schnitte.
Beton und Glas, ein paar Stehtische, ein Buffet, eine Garderobe, eine Bar und ein gemütliches Sofa erwarten mich im musikdurchdrängten Innenraum. Mit dem Brandschutz dürfte es keine Probleme geben, hier kann nichts anbrennen, weil nichts da ist.
Irgendwie anders diese Frankfurter Location, fast ein bisschen so wie in Berlin, aber dazu ist sie nicht abgesifft und verranzt genug. Hier feiern Makler, Banker und Anwälte und keine kreativen Hipster mit ihren unterbezahlten Backoffice-Kolleginnen die sich aus ihren Start-Up-Buden ins Nachtleben stürzen. Hier ist Downtown und nicht Mitte. In Berlin würde wohl auch keiner die 7 € Eintritt, mit der gleichen Kritiklosigkeit hinnehmen, wie wir Mainhatten-Bewohner es eben tun.
Das Business läuft aber auch in der sich als Brexitwinner fühlenden Bankenmetropole wohl nicht mehr so big, wie in früheren Jahren, denn viele der Gäste sparen sich erst einmal den Euro für die Garderobe. So kämpfe ich mich durch eine Reihe von flauschigen Pelzkragen-/ und Wellensteinjacken zum Buffet (in den 7 € Eintritt ist auch ein kleiner Snack enthalten, weshalb der Preis mehr als fair ist) und tausche mein grünes Märkchen gegen einen Teller Rigatoni und stelle mich an der Bar an.
Weinabzocke – ich finde es ätzend
Der Sekt der angeboten wird kommt aus der Pfalz von Krack, eine gute Wahl, der Preis schon an der nach oben, vor allem in Frankfurt, offenen Unverschämtheitsgrenze, aber aufgrund der Qualität des Produkts noch hinnehmbar.
Schlimmer geht aber immer. So ist es beim Grauburgunder, der sich als Weißburgunder aus der Literflasche entpuppt, und wie alle angebotenen Weine mit 7,50 € angeboten wird. Im Glas landen dann, wohl je nach Sympathie, irgendwas zwischen 0,1l und 0,2l des alkoholischen Traubensafts. Das österreichische Rotweincuvee und der graue Weißburgunder sind beide hoffnungslos einfallslose Weine, ohne Substanz und dienen offenbar nur der Gewinnmarge, aber auf keinem Fall hat sich jemand Gedanken um die Gäste gemacht. Vom Rosé lasse ich daher gleich die Finger.
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Themen: Kritische Erfahrung des Autors bei einer Veranstaltung in einer modernen Bar an der Neuen Mainzer Straße in Frankfurt. Der Text dokumentiert Beobachtungen zu Publikum, Ambiente und insbesondere zur Weinqualität und Preisgestaltung., Urban-Hedonismus, Finanzmetropole, Gastronomiekritik, Preisabzocke, Authentizität vs. Oberflächlichkeit, Gentrifizierung, Lifestyle-Inszenierung, Frankfurter Gastronomen täuschen zahlungskräftige Bankkundschaft systematisch bei Wein durch schlechte Qualität und unfaire Preise., Gastronomie-Interessierte, Frankfurt-Kenner, kritische Konsumenten, Blogger-Leser, Kulturjournalismus/Lifestyle-Blogging, Stadtsoziologie
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Bier & lustige Mischgetränke sind ebenfalls auf dem normalen Frankfurter Preisniveau, aber aus meiner Sicht die bessere Alternative als jedes weitere Glas Wein. Warum immer mehr Gastronomen glauben ihre Gäste beim Wein veräppeln zu müssen ist mir ein Rätsel. Ich finde es einfach nur ätzend.
Am Ende frage ich mich noch, ob eine Änderung der weit über der Bar schwebenden Karte so viel Arbeit gemacht hätte, oder ob es auch hier schon ein Signal ist, wenn Grauburgunder draufsteht und Weißburgunder reinkommt.
Graue Mäuse und keine Putzfrau
In stürze mich ins Getümmel und treffe den einzigen männlichen Gast der auch schon über Mitte 40 sein dürfte und wir fragen uns, ob wir hier richtig sind. Eine große Gruppe grauer Mäuse stürzt sich auf Buffet und ich wundere mich über die vielen jungen Frauen deren Brillen zu groß, ihre Klamotten zu trist und ihre Laune zu mies ist. Gut es gibt evtl. zu wenig junge Männer in der Location und uns zwei Ü40-Exemplare mit Ring am Finger.
Der Abend nimmt seinen Lauf und mit meiner auf Fuerteventura gesammelten „ich bin mal alleine hier“ – Attitude lasse ich den Abend an mir vorüberziehen. Lausche den Lästereien über Exfreunde, der Panik keine neue Putzfrau zu finden und den Geldproblemen junger Bankangestellter. Das Buffet schließt, es wird getanzt, mein Wein ist alle und ich nehme mir meinen Mantel und trinke noch ein Bier im Bitburger und esse eine Currywurst.
Es nieselt weiter. Wie es wohl Lucie geht?
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Die Weinauswahl in der Frankfurter AfterWork-Location nm57 ist qualitativ minderwertig und ausschließlich auf Gewinnmarge ausgerichtet, ohne Rücksicht auf die Gäste – konkret wird ein Weißburgunder aus der Literflasche als Grauburgunder verkauft.
gilt · seit 11.01.2018
Bier und Mischgetränke sind in der nm57 eine bessere Wahl als die angebotenen Weine und befinden sich auf normalem Frankfurter Preisniveau.
gilt · seit 11.01.2018
Die Praxis vieler Gastronomen, Gäste beim Wein zu täuschen oder zu übervorteilen, ist ein weit verbreitetes und ärgerliches Phänomen.
gilt · seit 11.01.2018
Das Frankfurter AfterWork-Publikum in Banken- und Kanzleinähe unterscheidet sich grundlegend vom Berliner Kreativmilieu und akzeptiert Preise wie den 7-Euro-Eintritt weitgehend kritiklos.
gilt · seit 11.01.2018
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