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Habemus Rücktritt

By herr meier ⋅ 12. Februar 2013 ⋅ Post a comment

Filed Under  benedikt, habemus, heiliger stuhl, joseph ratzinger, papst, petersdom, petri, rente, rom, rücktritt, vatikan

Als am 19. April 2005 von der Benediktionsloggia des Petersdoms der Kardinal-Protodiakon Jorge Arturo Medina Estévez verkündete das auf den Papst aus Polen ein Deutscher das Amt des Oberhirten der katholischen Kirche übernehmen würde, da hatte der, zu diesem Zeitpunkt, ehemalige Chef der Kongregation für die Glaubenslehre (formerly known as Inquisition) Kardinal Joseph Ratzinger, bereits ein wenig Kirchengeschichte geschrieben und wir Deutschen wurden vom Zentralorgan der Massenverkündung alle zum Papst erklärt. Obwohl ich Katholisch bin hatte ich damit meine gewissen Schwierigkeiten jetzt Papst zu sein, denn ich wollte nicht Latein lernen, nicht dauerhaft getrennt von einer Frau leben und schon gar nicht in regelmäßigen Abständen von einem Balkon des Petersdoms den Massen zuwinken müssen und in Rom wollte ich auch nicht leben, dennoch nahmen wir alle erst einmal mit großer Freude das gesamtdeutsche Amt des Papstseins an, bis auf die wenigen Kritiker die es natürlich immer gab und glücklicherweise geben wird.

Mit dem Weltjugendtag erreichte Benedikt XVI eine Popularität in Deutschland wie sie selten einem Kirchenfürsten zu teil wurde, aber schon bald nach den weihevollen Stunden in Köln musste sich Joseph Ratzinger um die, teilweise bitteren, Alltagsgeschäfte der Kirche kümmern. Bis heute hat die Kirche einige ihrer Angestellten nicht im Griff. So fällt es Kindern und Jugendlichen auf der gesamten Welt schwer darauf vertrauen zu können, dass ein Priester seine Hand nur in schützender Absicht über sie hält. Auch sonst hat das weltliche Personal Gottes auf Erden nicht immer eine glückliche Hand wenn es um die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit geht, denn hier hat die Kirche bereits immer schon eine sehr eigen ausgeprägte Sicht der Dinge. Die Vorfälle um die Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei katholischen Krankenhäusern und die in der Nachfolge gemachten Äußerungen einiger Herren im Dienste der Kirche, oder ihr nahstehender Einrichtungen, konnten einen schon wütend machen.

In Benedikt XVI wurden viele Hoffnungen gelegt, wenn es um die Erneuerung der Kirche gehen sollte. Ein befreundeter Geistlicher hat dies bereits am Tag der Ernennung als eine Hoffnung die sich nicht erfüllen würde bezeichnet. Kardinal Ratzinger hatte in seiner früheren Aufgabe als Bewahrer des Glaubens nicht die Aufgabe die katholische Kirche zu öffnen und ihre teilweise über viele hundert Jahre entstandenen Leitlinien aufzuweichen, er musste sie behüten. Warum sollte er nun als Papst eben diese Aufgabe vernachlässigen?

Evangelische Christen die glaubten ein deutscher Papst würde die Ökumene stärker vorantreiben, irrten. Wenn es ihm um Ökumene ging, dann mit den Ostkirchen und nicht mit den Kirchen Luthers. Er führte den Dialog mit allen großen Religionsgemeinschaften, aber zurecht lag sein Augenmerk auf den Teil der Weltbevölkerung der sich zur katholischen Kirche bekennt und führte den Dialog mit den Staaten in denen Katholiken ihren Glauben nicht so frei ausüben können wie wir es in Deutschland können.

Papst Benedikt hat mit seiner gestrigen Erklärung seines Rücktritts einen großen Schritt gemacht. Dafür gehört im jede Menge Respekt gezollt, denn nur die wenigsten mächtigen Menschen wissen wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist zu gehen. Ein so wichtiges Amt wie das des Papstes verlangt nach einem agilen und gesunden Menschen, wenn ein 86-jähriger diese Kraft nicht mehr verspürt und die Geschwindigkeit der Gesellschaft und der Technologien die diese Gesellschaft antreiben ihn überholt haben, dann ist es eine mehr als kluge Entscheidung das Zepter an einen jüngeren (im vatikanischen Sinn) Kardinal abzugeben. Einen klugen und gesunden, entschlossenen und zu Veränderungen bereiten katholischen Christen der die Kirche modernisiert und sie fit macht für die nächsten 2000 Jahre. Mit seiner Rücktrittserklärung hat Benedikt XVI das zweite Mal in kurzer Zeit Kirchengeschichte geschrieben.

Wenn nun die BILD darüber spekuliert, dass Ratzinger zu einem Gegenpapst werden könnte, dann spricht das nur einmal wieder gegen die Bild und ihre mangelnde Sensibilität im Umgang mit historischen Begriffen zugunsten der Auflage, bzw. der Impressions auf bild.de. Benedikt der XVI wird sicherlich keinerlei Ambitionen haben einem neu gewählten Papst in seinen Job zu pfuschen, dafür würde es wohl auch zu wenige Unterstützer geben, im Gegensatz zu den Gegenpäpsten die bis 1377 in Avignon residierten.

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Joseph Ratzinger gehört ein „Vergelt´s Gott“ für seinen Mut und das was er geleistet hat.

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Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist eine kluge und respektable Entscheidung, weil das Amt des Papstes einen agilen und gesunden Menschen erfordert und ein 86-Jähriger diese Kraft zu Recht nicht mehr verspüren kann.

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