Wenn ich ein Steak essen möchte, dann will ich nicht die ganze Kuh kaufen

Wenn ich ein Steak essen möchte, dann will ich nicht die ganze Kuh kaufen.

Neulich wollte ich mal wieder einen Artikel in der Berliner Zeitung online lesen. Dort hatte Berlins Kolumnistin für delikate Gedankenausflüge etwas zum Thema Respekt gegenüber Sexarbeiterinnen geschrieben. Nur leider muss ich dafür ein ganzes Abo der Onlineausgabe abschließen. Und auch wenn mir Berlin gerade fehlt – ganz so groß ist die Sehnsucht dann doch nicht.

Nicht nur mit diesem Artikel ging es mir so. Auch die WELT hatte neulich etwas Spannendes über die Folgen von Corona für die Schauspielbranche veröffentlicht. Doch auch hier sollte ich mich gleich mal längerfristig binden. Es wäre nun einfach, eine beliebig lange Liste mit schlechten Paywall-Angeboten zu verfassen. Aber ich denke, diese beiden Beispiele reichen aus, um die Einfallslosigkeit der Verlagsbranche in Sachen Monetarisierung zu beschreiben.

Mein Podcastkollege Markus Berg von Leben nach Maß hat das treffend kommentiert – und er hat absolut recht. Als gelernter Verlagskaufmann frage ich mich schon lange: Wo sind die klugen Köpfe in den Verlagen geblieben? Denn in Sachen Digitalisierung und ROI scheitert keine Branche so professionell wie die einstigen Könige der Information.

Mit aller Macht werden Leser mit Clickbaits auf schlechte Bilderstrecken gelockt – umgeben von einer Flut an Bannern und Pop-ups. Dazu kommen extrem unattraktive Bezahlmodelle, als gäbe es wirklich niemanden, der sich aus dem alten Weltbild des Abonnements lösen könnte.

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Mich macht diese sture Weigerung wütend, moderne Angebote für interessierte Leser zu schaffen. Warum zum Teufel kann ich nicht einfach 0,99 Euro für einen Artikel bezahlen? Wo liegt das Problem?

Gute Pressearbeit muss bezahlt werden – das ist klar. Doch die Verlage weigern sich standhaft, flexible Lösungen anzubieten. Stattdessen: immer mehr Werbung, sinnlose Klickstrecken und jede erdenkliche Re-Targeting-Möglichkeit, damit der Nutzer wenigstens mit seinen Cookies zahlt, wenn er schon kein Abo abschließen will.

Doch weniger ist mehr. Weniger Abos, mehr Einzelartikel. Weniger Clickbait, mehr journalistische Qualität zu fairen Preisen. Und intelligente Werbung zu attraktiven Konditionen – statt Rudis Bannerresterampe.

Am Ende würden alle gewinnen: die Journalisten, die Leser und die Qualität des Journalismus.

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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen

Zeitungsverlage scheitern bei der Digitalisierung und der Entwicklung rentabler Online-Geschäftsmodelle professioneller als jede andere Branche.

gilt  ·  seit 15.02.2021

Das Abonnement-Modell als einzige Bezahloption für Online-Artikel ist für Leser unattraktiv und verhindert, dass interessierte Nutzer bereit sind, für einzelne journalistische Inhalte zu zahlen.

gilt  ·  seit 15.02.2021

Verlage sollten Einzelartikel-Käufe zu Kleinstpreisen (z. B. 0,99 Euro pro Artikel) als flexibles Bezahlmodell anbieten, weil dies Journalisten, Lesern und der journalistischen Qualität insgesamt nützen würde.

gilt  ·  seit 15.02.2021

Die zunehmende Nutzung von Clickbait, Werbebannern und Re-Targeting ist eine Reaktion der Verlage auf ausbleibende Abo-Abschlüsse und schadet der journalistischen Qualität.

gilt  ·  seit 15.02.2021

Jede These ist ein Knoten im Kontext-Graphen von meiersworld.de: mit Gültigkeit, Belegen und Nachfolger, falls sie revidiert wurde.