Wiedersehen im Weinregal

Peter Lehmann Barossa Portrait Shiraz Weinetikett mit abstraktem Frauengesicht in Rot- und Blautönen

Peter Lehmann Portrait Shiraz, oder warum ein guter Wein keine Bar braucht, die es nicht mehr gibt

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Texttyp
Weinkolumne/Essayistische Restaurantkritik
Besprochenes Werk / Thema
Peter Lehmann Portrait Shiraz als Erinnerungsträger und Qualitätsmerkmal
Zentrales Argument
Guter Wein verdient faire Preisgestaltung und ehrvolle Gastronomie, nicht Verwalten von Qualität
Kernthese
Erinnerungsweine verbinden Geschmack mit Ort und Haltung - beides ist unersetzbar.
Relevante Konzepte
ErinnerungsweinPreis-Leistungs-VerhältnisGastronomische EthikWeinecharakterSachsenhausen
Empfohlen für
Weinliebhaber, Gastronomie-Interessierte, Kulturessay-Leser
Einordnung durch den Autor
Deutsche Sachbuch-Essayistik, Weinkritik mit kulturhistorischer Perspektive
Verweise im Text
Barossa ValleyFifty Fifty Bar SachsenhausenEdeka
Entitäten
Person: Peter LehmannOrt: Barossa ValleyOrt: Fifty Fifty BarOrt: SachsenhausenProdukt: Peter Lehmann Portrait ShirazUnternehmen: Edeka

Neulich stehe ich bei Edeka zwischen Nudelregal und Pfandautomat, eigentlich auf der Suche nach nichts Bestimmtem, und da steht er. Unten links, ein bisschen versteckt hinter den üblichen Verdächtigen mit Tier auf dem Etikett: Peter Lehmann, Portrait Shiraz, Barossa, Jahrgang 2023. Ich bleibe stehen, wie man stehen bleibt, wenn man auf der Straße jemanden sieht, den man seit Jahren nicht mehr gesehen hat und von dem man nicht genau weiß, ob man ihn ansprechen soll.

Ich habe ihn angesprochen. Die Flasche lag schneller im Wagen, als ich darüber nachdenken konnte.

Getrunken habe ich diesen Wein früher fast ausschließlich an einem Ort: in der Fifty Fifty Bar in Sachsenhausen. Wer dort war, weiß, wovon ich rede. Wer nicht dort war, hat eine Ecke Frankfurt verpasst, in der man an der Theke stand, viel zu laut über viel zu wichtige Dinge redete und irgendwann merkte, dass schon wieder ein Glas Shiraz vor einem stand. Die Fifty Fifty Bar gibt es nicht mehr. Die Erinnerungen schon. Und offenbar auch den Wein.

Nun ist das mit Erinnerungsweinen so eine Sache. Man trinkt nicht nur, was im Glas ist, sondern auch den Abend, die Leute, das eigene jüngere Ich, das noch glaubte, um Mitternacht sei der Abend erst halb vorbei. Ich war also skeptisch, als ich die Flasche zu Hause öffnete. Skeptisch mir selbst gegenüber. Ich hatte Angst, dass der Wein nur in meiner Erinnerung gut war.

Er ist nicht nur in meiner Erinnerung gut.

Peter Lehmann, so erzählt man sich, soll gesagt haben: «Als Gott den Shiraz schuf, hatte er dabei das Barossa Valley im Sinn.» Das ist natürlich die Art von Satz, die sich jeder Winzer gern über die eigene Gegend sagen würde. Bei diesem Wein glaubt man es ihm trotzdem. Der Portrait ist so etwas wie das Aushängeschild des Hauses, und er benimmt sich auch so. In der Nase reife Pflaumen, dunkle Schokolade, dazu ein Hauch Eichenholz, der nicht angibt, sondern einfach da ist. Rund ein Jahr hat der Wein in kleinen Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche gelegen, und das merkt man, aber es drängt sich nicht auf. Das Holz ist da wie ein guter Kellner: anwesend, nicht aufdringlich.

Am Gaumen ist er opulent, fruchtig, mit einer Würze, die man verführerisch nennen darf, ohne gleich in die Prospektsprache abzurutschen. Samtig und warm, ohne schwer zu werden. Man könnte meinen, so viel Frucht und so viel Wärme müsse irgendwann marmeladig kippen. Kippt es nicht. Der Nachhall ist lang und erstaunlich elegant für einen Wein, der vorher so selbstbewusst aufgetreten ist. Ein Australier mit Manieren, sozusagen.

Und hier stutze ich. Denn der Grund, warum dieser Wein damals in einer Bar ausgeschenkt wurde, war ja kein romantischer. Er war ein Preis-Leistungs-Knaller, schlicht und ergreifend. Der Wirt konnte ihn mit gutem Gewissen ausschenken, die Gäste zahlten einen ordentlichen Preis pro Glas und bekamen dafür einen Wein, der diesen Preis rechtfertigte. Das ist kein Geheimnis, das ist Gastronomie, wie sie funktionieren sollte. Qualität und Preis gehen Hand in Hand, und niemand fühlt sich betrogen.

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Themen: Peter Lehmann Portrait Shiraz als Erinnerungsträger und Qualitätsmerkmal, Erinnerungswein, Preis-Leistungs-Verhältnis, Gastronomische Ethik, Weinecharakter, Sachsenhausen, Erinnerungsweine verbinden Geschmack mit Ort und Haltung - beides ist unersetzbar., Weinliebhaber, Gastronomie-Interessierte, Kulturessay-Leser, Deutsche Sachbuch-Essayistik, Weinkritik mit kulturhistorischer Perspektive

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Vor ein paar Wochen saß ich in einer anderen Sachsenhäuser Weinbar, gar nicht weit von der alten Ecke entfernt. Auf der Karte standen für das 0,2er Glas Preise, bei denen ich zweimal hinschauen musste, weil ich dachte, ich hätte mich in der Zeile vertan und die Flaschenpreise erwischt. Hatte ich nicht. Und das, was dann im Glas war, hatte mit dem Selbstbewusstsein der Karte wenig zu tun. Ich bin weiß Gott kein Pfennigfuchser, wenn es um Wein geht. Aber wenn das Glas mehr nach Miete schmeckt als nach Traube, dann stimmt etwas nicht. Dann wird Wein nicht mehr ausgeschenkt, sondern verwaltet.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum ich vor dem Edeka-Regal so sentimental geworden bin. Nicht nur, weil eine Bar fehlt. Sondern weil eine bestimmte Haltung fehlt, die diese Bar hatte: Hier ist ein guter Wein, er kostet, was er kostet, und er ist es wert. Punkt.

Wer den Portrait zu Hause aufmacht, sollte ihm etwas gönnen, das mit seiner Intensität mithalten kann. Marinierte Lammkoteletts vom Grill zum Beispiel, mit ordentlich Knoblauch und Rosmarin und einer Kruste, die ein bisschen zu dunkel geraten ist. Das hätte der Fifty Fifty Bar auch gefallen. Gegrillt wurde da allerdings nie.

Die Flasche ist inzwischen leer. Sie steht noch auf der Arbeitsplatte neben dem Herd, weil ich es nicht übers Herz bringe, sie zum Altglas zu tragen. Morgen gehe ich wieder zu Edeka. Unten links.

Häufige Fragen zum Artikel

Welche Aromen und Geschmacksnoten hat der Peter Lehmann Portrait Shiraz?

Der Wein besticht in der Nase mit reifen Pflaumen, dunkler Schokolade und einem Hauch Eichenholz. Am Gaumen ist er opulent und fruchtig mit einer verführerischen Würze, samtig und warm, ohne schwer zu werden, und hinterlässt einen langen und eleganten Nachhall.

Wie lange lag der Portrait Wein in Eichenfässern?

Der Wein lag rund ein Jahr in kleinen Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche. Das Holz prägt den Wein merklich, ohne sich aufzudrängen.

Was war die Fifty Fifty Bar und warum ist sie für den Autor bedeutsam?

Die Fifty Fifty Bar war eine legendäre Weinbar in Sachsenhausen, Frankfurt, wo der Autor regelmäßig den Peter Lehmann Portrait Shiraz trank. Die Bar existiert nicht mehr, aber sie verkörperte für den Autor eine bestimmte Haltung: Qualität und fairer Preis gingen Hand in Hand, ohne dass sich Gäste betrogen fühlten.

Welche Speisen passen zum Portrait Shiraz?

Der Autor empfiehlt marinierte Lammkoteletts vom Grill mit ordentlich Knoblauch und Rosmarin sowie einer etwas zu dunkel geratenen Kruste als perfekte Paarung zum Wein.

Was kritisiert der Autor an aktuellen Sachsenhäuser Weinbars?

Der Autor beobachtet, dass manche Weinbars heute Gläser zu Preisen ausschenken, die unverhältnismäßig hoch sind im Verhältnis zur Qualität des Weins. Nach seiner Aussage wird Wein dort nicht mehr ausgeschenkt, sondern verwaltet, anstatt die frühere Haltung von guter Qualität zu fairen Preisen zu bewahren.

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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen

Der Peter Lehmann Portrait Shiraz aus dem Barossa Valley ist ein qualitativ überzeugender Wein, der seinen Ruf als Preis-Leistungs-Verhältnis-Wein auch im Jahrgang 2023 rechtfertigt — seine Qualität beruht nicht allein auf nostalgischer Erinnerung.

gilt  ·  seit 01.11.2026

In Teilen der Frankfurter Gastronomie haben sich Weinpreise von der tatsächlichen Qualität im Glas entkoppelt: Glaspreise werden aufgerufen, die mit dem Trinkerlebnis nicht mehr im Verhältnis stehen.

gilt  ·  seit 01.11.2026

Gute Gastronomie setzt voraus, dass Qualität und Preis Hand in Hand gehen, sodass Gäste sich nicht betrogen fühlen — diese Haltung fehlt zunehmend in der heutigen Weinbar-Kultur.

gilt  ·  seit 01.11.2026

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