Schon vor einigen Tagen gab es via twitter Gerüchte darüber, dass die Gesellschafter des Blitz-Tip, das ehemals extrem erfolgreiche Anzeigenblatt aus dem Rhein-Main-Gebiet, einer besonderen Rosskur unterziehen wollen. Damals twitterte Sabine Kobler über eine Demo der Blitz-Mitarbeiter vor dem Rundschaugebäude in Frankfurt-Sachsenhausen. Die Frankfurter Rundschau ist Gesellschafter beim Blitz-Tip.
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- Texttyp
- Blogbeitrag/Medienanalyse
- Besprochenes Werk / Thema
- Die Entlassung der Mitarbeiter des Blitz-Tip, eines ehemals erfolgreichen Anzeigenblatts im Rhein-Main-Gebiet, markiert das Ende einer Medien-Ära.
- Zentrales Argument
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Der Blitz-Tip scheiterte durch den Preiskampf mit Konkurrenten wie Sunny und Sunday sowie durch die Digitalisierung von Kleinanzeigen, die von etablierten Verlagen zu lange ignoriert wurde. Die Lösung durch externe Zulieferung von Inhalten bedeutet das Ende des ursprünglichen redaktionellen Anspruchs und macht das Blatt austauschbar im Wettbewerb.
- Kernthese
- Die Medienlandschaft des Rhein-Main-Gebiets verliert durch die Rationalisierung des Blitz-Tip ein wichtiges lokales Informationsmedium, weil fragmentierte Märkte und mangelnde Zusammenarbeit eine notwendige Transformation verhindern.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Medienwissenschaftler, Verleger, Journalisten, Medienhistoriker, Interessierte der Frankfurter Medienlandschaft
- Einordnung durch den Autor
- Medienwirtschaft/Mediengeschichte, Regionalgeschichte Frankfurt am Main
- Verweise im Text
- Entitäten
In der F.A.Z. von heute wurden dann die anstehenden Gerüchte vom Firmengründer, der zwischenzeitlich alle Anteile am BT verkauft hat, quasi bestätigt, ebenso meldete die Welt in ihrer Onlineausgabe das Aus für die Mitarbeiter des BT.
1972 von Horst Vatter als rosa Blättchen (Frankfurter und Wiesbadener erinnern sich sicherlich noch an die Rosa Wolke Reisebüros und Geschäftsstellen des Blitz-Tip) aus der Taufe gehoben, wurde das Anzeigenblatt zu einer der erfolgreichsten kostenlosen Zeitungen in Deutschland.
Mit einer eigenen Redaktion und einer Verbreitung von teilweise bis zu einer Millionen Exemplaren die jeden Mittwoch in den Briefkästen der Haushalte landeten gehörte der Blitz-Tip zu Frankfurt wie der Dom und der Römer.
Obwohl die Frankfurter Societät bei der Horst Vatter früher als Anzeigenleiter für die Neue Presse gearbeitet in den siebziger Jahren keine Lust auf Anzeigenblatt hatte, wurde durch den Erfolg des Blitz-Tip die Lust bei FSD und FAZ in den neunziger Jahren auf das Geschäft mit den kostenlosen Zeitungen sehr groß und so wuchsen zwei neue Anzeigenblätter aus dem Boden: Sunny und Sunday. Sunny zuerst als kostenloses Blatt mit einer diffusen Ausrichtung auf Frauen und einer Menge Autos der Marke Ford (es lebe das Gegengeschäft) im Stadtbild präsent, wurde über die Zeit ein Problem für den Verlag Blitz-Tip.
Dieser hatte mit seiner enormen Reichweite und seinem Erfolg eine sehr gefestigte Stellung im Markt, kleinere Mitbewerber wie das “Blättche” spielten keine Rolle wenn es um die dicken Fische ging, die großen Handelskonzerne mit ihren Beilagen und den großen Schweinebauchanzeigen, hier tat der BT eher den etablierten Tageszeitungen weh. Mit Sunny und Sunday änderte sich dies. Der Mitbewerber trat preislich aggressiv im Markt auf und so begann in den neunziger Jahren ein echter Preiskampf.
Gleichzeitig begann die Digitalisierung von redaktionellen Inhalten und von Kleinanzeigen ganz langsam, und von vielen Zeitungsverlegern eisern ignoriert, und später immer schneller. Kleinanzeigen und lokale Inhalte sind damals wie heute ein unglaublich wichtiger Inhalt, große Webseiten wie meinestadt.de beweisen das sie das Thema umgreifend verstanden haben.
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Bei vielen Anzeigenblattverlagen konnte der Verlust an Kleinanzeigen nicht kompensiert werden, auch nicht mit der Gründung von anonza.de einem Portal der Kleinanzeigenverleger für ihre Anzeigen im Netz. Die Spirale aus sinkenden Preisen für Medialeistungen, der gleichzeitige Verlust von Inhalten und redaktioneller Kompetenz sorgte auch dafür das die wirtschaftlichen Umfelder für ein großes Anzeigenblatt wie den Blitz-Tip und seine Schwester Äppler immer schwieriger wurden.
Am Ende steht nun ein Ausweg aus dem wirtschaftlichen Dilemma, welcher den Menschen die den Blitz-Tip bisher ausgemacht haben, keine Zukunft mehr bei ihrem Anzeigenblatt lässt. Das Blatt besteht weiter aber, die Inhalte werden zugeliefert. Eine Praxis die im Hause der Frankfurter Rundschau nicht ganz unbekannt ist, denn diese bezieht ja auch einen Teil ihrer redaktionellen Inhalte aus Berlin von einer Redaktionsgemeinschaft.
Irgendwann kam auch noch die Deutsche Post AG mit Einkauf aktuell auf den Markt und das Thema Haushaltsdirektverteilung und Beilagen wurde noch schwieriger, die alte Devise von Horst Vatter für Ordnung im Briefkasten sorgen zu wollen, wurde von den Postler mit Plastikfolie und dem TV-Programm ummantelt. Den Leser freute es, der Verleger weinte.
Horst Vatter hat sich noch selber an einer Demo seiner ehemaligen Mitarbeiter beteiligt, weil es es für richtig und wichtig hielt. Im Gespräch mit der F.A.Z. rechnete Horst Vatter heute vor, wie sich die Preisspirale nach unten gedreht hat und das er glaubt ein Anzeigenblatt könne auch heute noch Bestand haben.
Bedingt möchte ich meinem ehemaligen Chef ein “Ja” zurufen, aber Anzeigenblätter müssten sich radikal wandeln und viel stärker und vernetzter zusammenarbeiten, der stark fragmentierte Markt in dem diese Gattung der Medien unterwegs ist, verhindert dies aber immer noch zu großen Teilen.
Es ist meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zu wünschen, dass es eine positive Entwicklung für sie geben wird, wenn es um das Thema neue Jobs und vernünftige Abfindungen geht. Dennoch geht nun wirklich eine Ära zu Ende, denn nur ein Mantel der mir Werbung in den Briefkasten trägt, anstatt wie früher ein Stück Papier das sich auch in der Form von Veranstaltungen und einem lautstarken Verleger ein Gehör verschaffte, ist eben austauschbar und wird somit im Kampf um die Preise eine schlechte Ausgangsposition haben.
Ich hoffe mich in der richtigen zeitlichen Abfolge an einige Ereignisse erinnert zu haben, sollte es doch einen Fehler gegeben haben, dann bin ich für Anregungen dankbar. Es sei noch angemerkt, dass ich in den neunziger Jahren beim Verlag Blitz-Tip sehr eng mit Horst Vater zusammen gearbeitet habe und ich bin mir sicher, wenn es noch einmal ein Verlag ernsthaft mit einem Anzeigenblatt im Rhein-Main Gebiet versuchen will, dann sollte er bei Horst Vater anrufen.
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