Ich habe an diesem Wochenende in Niederwöllstadt ein Geräusch genießen können, das man auf einem Poloplatz nicht erwarten würde: kein Hufschlag, kein Schnauben, sondern ein leises, fast höfliches Surren, das über den Rasen zieht und wieder verschwindet, bevor man richtig hingehört hat. Zum sechsten Mal fand hier der Polo im Park – Hessen Cup statt, zum zweiten Mal daneben ein Turnier in einer Disziplin, die man so noch nicht wirklich kennt: Roda Polo.
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- Texttyp
- Sportbericht/Eventbericht
- Besprochenes Werk / Thema
- Roda Polo – eine neue, pferdlose Variante des klassischen Polos
- Zentrales Argument
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Roda Polo ist ein eigenständiger Sport, der neben klassischem Polo existiert, ohne es zu ersetzen
- Kernthese
- Roda Polo verdient als junger Sport den gleichen Ernst wie etablierte Disziplinen.
- Relevante Konzepte
- Empfohlen für
- Sportbegeisterte, Polo-Interessierte, Innovationsfreunde
- Einordnung durch den Autor
- Zeitgenössischer Sportjournalismus mit kultureller Reflexion
- Verweise im Text
- Entitäten
Ich stand mit meinem Moderatorenkollegen am Spielfeldrand, ich durfte an diesem Tag als einer der Co-Moderatoren mein Glück versuchen (Danke dafür), und die ersten Minuten habe ich vor allem eines getan: gestaunt. Polo ohne Pferd, das klang für mich zunächst nach einer Idee aus einer Werbeagentur, nach einem Ersatzprodukt für Leute, die sich das echte, teure Original noch nicht gönnen wollen. Oder, wenn man ehrlich ist: gönnen können.
Und so kommentiere und staune ich also, mitten im ersten Chukka, während ich mit Begeisterung dabei zusehe, wie Spieler:innen jeden Alters, von zehn bis knapp über fünfzig, elegant über den Platz gleiten, den Ball jagen und sich dabei nicht anders bewegen als jeder, der sein Gefährt wirklich beherrscht: konzentriert, leicht vorgebeugt, mit einem Gleichgewichtssinn, der aus der Übung kommt und nicht aus dem Zufall. In Deutschland sind die Roda Wheels elektronisch auf 20 Stundenkilometer gedrosselt, schneller ginge es wohl, anderswo wird das offenbar auch schon so gespielt, aber genau diese Grenze macht aus dem Spiel etwas anderes als bloß eine schnellere Version von Polo. Sie macht es zu einem eigenen Sport, mit eigener Fallhöhe.
Wer an Polo denkt, denkt an Prince William, an London, vielleicht an die Szene aus Pretty Woman, in der Menschen übers Feld laufen, um danach die herausgetretenen Grasstücke wieder ordentlich zu machen. Diesmal gab es davon wenig zu tun. Die Trockenheit der letzten Wochen hatte den Boden so kompakt gemacht, dass das Feld eher an ein gut gepflegtes Stück Wiese erinnerte als an einen Rasen, auf dem Pferde und Menschen normalerweise ihre Bahnen ziehen.
Vier Teams traten an diesem Nachmittag beim Roda Polo gegeneinander an, allerdings nicht zeitgleich mit dem klassischen Turnier, sondern im Anschluss daran, sodass die Polopferde von der Bande aus zusehen konnten, wie Menschen auf surrenden Rädern über ihr eigenes Feld zogen. Ob sich die Tiere dabei etwas gedacht haben, weiß ich nicht, aber ich selbst musste kurz an eine Frage denken, die gerade überall gestellt wird, nur mit anderen Begriffen: Ist das hier die KI des Polos, gekommen, um etwas Bestehendes abzulösen? Und hier muss ich schmunzeln, denn genau das sehe ich nicht so. Roda Polo und klassisches Polo sind zwei eigenständige, miteinander verwandte Sportarten. Sie können voneinander lernen und voneinander profitieren, aber sie werden sich nicht gegenseitig ersetzen. Kein Pferd muss um seinen Platz auf dem Feld bangen.
Der Hessische Rundfunk fand das bemerkenswert genug, um mit einem Kamerateam anzureisen, das den Nachmittag über zwischen den beiden Dispziplinen hin und her filmte, mal beim Hufschlag, mal beim Surren.
Was mich am meisten gefreut hat, war nicht die Technik. Es war die Ernsthaftigkeit, mit der die Spieler bei der Sache waren. Kein Herumalbern, kein «guck mal, was für ein lustiges Gerät», sondern echte taktische Blicke, echter Ärger über vertane Chancen, echte Freude, wenn ein Schlag saß. Ein Sport, der noch keine drei Jahre alt ist und trotzdem schon so daherkommt als hätte er sich das Recht auf seinen eigenen Ernst längst verdient.
Ich habe an diesem Tag mehr gelacht, als ich erwartet hatte, mehr gestaunt, als mir lieb war, und am Ende länger am Spielfeldrand gestanden, als es meine eigentliche Aufgabe verlangt hätte. Irgendwann, zwischen zwei Spielen, hat mich jemand von der Polo Family gefragt, ob ich es nicht auch mal probieren wolle. Ich habe nein gesagt, aus Respekt vor meinem Gleichgewichtssinn, aber man sollte nie Nie sagen.
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Zwischen dem letzten Spiel und der Siegerehrung gab es noch einen besonderen Pausenfüller, denn der Sänger einer in Deutschland durchaus bekannten Band hat an diesem Wochenende sein erstes Poloturnier überhaupt gespielt, und wir durften seiner Musik lauschen. Es war ein Moment, der noch einmal zeigte, worum es an diesem Wochenende eigentlich ging: Polo muss keiner Elite vorbehalten bleiben, sondern ist ein Sport für jeden, für alle, und an diesem Wochenende vor allem für die Polo Family und alle die ihre Begeisterung für diesen Sport teilen.
Wer selbst hinwill, muss nicht bis zum nächsten Juni warten: montags um 18:30 Uhr wird am Lindenhof in Niederwöllstadt trainiert, offen für alle, die sich das Surren einmal aus der Nähe anhören wollen. Ich habe mir das letzte Juniwochenende 2027 im Kalender markiert, kein Ausrufezeichen, nur ein kleiner Kreis mit Bleistift, dort, wo im nächsten Jahr wieder Hufschlag und Surren, kurz nacheinander, über denselben Rasen ziehen werden.
Häufige Fragen zum Artikel
Was ist Roda Polo und wie unterscheidet es sich vom klassischen Polo?
Roda Polo ist eine Sportart, bei der Spieler auf elektronischen Rädern statt auf Pferden spielen. In Deutschland sind die Roda Wheels auf 20 Stundenkilometer gedrosselt, was dem Sport eine eigene Identität verleiht und ihn von einer bloßen schnelleren Version des klassischen Polos unterscheidet.
Wo kann man Roda Polo trainieren und wann finden die Trainingseinheiten statt?
Die Trainingseinheiten finden montags um 18:30 Uhr am Lindenhof in Niederwöllstadt statt und sind offen für alle, die den Sport erlernen möchten.
Für welche Altersgruppen ist Roda Polo geeignet?
Roda Polo ist für Spieler jeden Alters geeignet, wie der Artikel zeigt, in dem Spieler im Alter von zehn bis knapp über fünfzig Jahren teilnahmen.
Wird Roda Polo das klassische Polo mit Pferden ersetzen?
Nein, laut dem Artikel sind Roda Polo und klassisches Polo zwei eigenständige, miteinander verwandte Sportarten, die voneinander lernen und profitieren können, aber sich nicht gegenseitig ersetzen werden.
Wie viele Teams nahmen am Roda Polo Turnier in Niederwöllstadt teil?
Vier Teams traten an diesem Nachmittag beim Roda Polo gegeneinander an, spielten aber nicht zeitgleich mit dem klassischen Turnier, sondern im Anschluss daran.
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🧭 Thesen dieses Artikels — und wo sie heute stehen
Roda Polo und klassisches Polo sind zwei eigenständige, miteinander verwandte Sportarten, die voneinander lernen und profitieren können, sich aber nicht gegenseitig ersetzen werden.
gilt · seit 07.09.2026
Die elektronische Drosselung der Roda Wheels auf 20 Stundenkilometer macht Roda Polo zu einem eigenständigen Sport mit eigener Fallhöhe – und nicht bloß zu einer schnelleren Variante des klassischen Polos.
gilt · seit 07.09.2026
Polo ist kein Elitesport, der einer privilegierten Gesellschaftsschicht vorbehalten bleiben muss, sondern ein Sport für alle.
präzisiert · seit 07.09.2026 bis 07.09.2026
Präzisiert durch: Polo muss kein Elitesport bleiben, sondern ist grundsätzlich für alle Menschen zugänglich — Roda Polo trägt dazu bei, diese Öffnung zu verwirklichen.
Roda Polo ist trotz seines Alters von weniger als drei Jahren bereits ein ernstzunehmender Sport mit echten taktischen Elementen und einer eigenen sportlichen Identität.
gilt · seit 07.09.2026
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