Eine Stadt in Geiselhaft

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Eine Stadt in Geiselhaft

By herr meier ⋅ 29. Mai 2013 ⋅ Post a comment

Filed Under  blockupy, demokratie, frankfurt, occupy, protest

Die Stadt wird mal wieder blockiert, manche finden das alles richtig, weil es Teil von lebendiger Demokratie ist.

Da stimme ich sogar zu! Es ist wichtig, dass Menschen das Recht haben sich gegen Missstände, oder das was sie dafür halten, in Form von friedlichem Protest zur Wehr zu setzen. Ich habe ein Problem damit, wenn die Gruppen die diese Form des Protests organisieren es für richtig halten, wenn sie dafür eine Stadt, oder Teile einer Stadt, blockieren.

Im letzten Jahr haben wir die Jagdszenen aus Mainhatten alle in den Medien verfolgen können, manche dieser Vorkommnisse dürften den linken Gruppen in die Hände gespielt haben, weil sie damit einen Beleg, aus ihrer Sicht hatten, das sie von der Polizei eines repressiven Staates in der Ausübung ihrer Rechte gehindert werden. Es gab sicherlich Situationen in denen Demonstranten und Polizisten zu heftig gegeneinander agiert haben, aber ich glaube nicht, dass die Übertreibungen der Linken zutreffend sind. Deutschland halte ich für einen Staat in dem jeder seine Meinung artikulieren kann. Es darf aber nicht sein, dass eine Minderheit, auch wenn sie ein wichtiges Anliegen hat, einer Mehrheit den Zutritt zu ihrer Stadt verwehrt, oder es ihr erschwert Teile der Stadt ohne Probleme zu erreichen.

Das passiert aber wieder, weil eben nicht wirklich garantiert werden kann, von den Organisatoren, dass sich keine Gewalttäter unter die Demonstranten mischen. Aus diesem Grund gibt es Staus, gesperrte U-Bahn-Stationen und am Samstag wohl wieder deutliche Umsatzeinbußen beim Frankfurter Einzelhandel. Dazu kommen Proteste im Frankfurter Flughafen, eine Unsinnigkeit, bei der der Betrieb am Flughafen wohl deutlich gestört werden wird. Diese Proteste treffen an einem Freitag (Brückentag) wohl weniger Geschäftsreisende (die mir das Ziel zu seien scheinen) als vielleicht geplant, aber Familien die sich auf den Urlaub freuen und sich diesen redlich verdient und evtl. auch erspart haben. Kling ein bisschen nach Tränendrüse, aber die Demonstranten werden keinen friedlichen Verlauf am Flughafen garantieren und da bedauere ich jeden der sich seinen Urlaub verdient hat und wegen einiger Starrköpfe mit Schwierigkeiten rechnen muss.

Für mich nimmt sich die Blockupy-Bewegung ein Recht heraus, dass ihr nicht zusteht. Sie nimmt eine Stadt und ihre Menschen in Geiselhaft und damit bringt sie aus meiner Sicht mehr Menschen gegen sie auf, als das sie Unterstützer gewinnt.

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Discussion

5 Responses to “Eine Stadt in Geiselhaft”

meiner meinung nach gibt es größere ungerechtigkeiten als beim shoppen “gestört” zu werden oder möglicherweise zu spät in den urlaub zu kommen- übrigens wie bei jedem anderen streik am flughafen sonst auch- vor allem wenn man sieht, was dem gegenübersteht, wir reden ja hier nicht von irgendeiner kleinen, unbedeutenden demo, die an diesem tag nur in frankfurt stattfindet.

protest der spürbar ist, ist mir jedenfalls allemal lieber, als morgens sich plakate und fahnen abzuholen, die nach demo-ende wieder brav abgegeben werden.

Posted by skffm | 30. Mai 2013, 0:41 Reply to this comment

Es gibt wirklich schlimmere Dinge als Umsatzeinbrüche im Frankfuter Einzelhandel, oder Verspätungen am Flughafen. Das sind aber Auswirkungen die aus der Tatsache entstanden sind, dass die Occupy/Blockupy-Leute es nicht schaffen die Störer und Gewalttäter unter Kontrolle zu bekommen. Die Leute haben teilweise Angst vor Occupy, und das ist wohl nicht das was die Gruppierung erreichen wollte.

Posted by herr meier | 30. Mai 2013, 10:02 Reply to this comment

Vor Störern und Gewalttätern sind wir doch aber niemals sicher, wohlgemerkt nicht nur anlässlich von Demonstrationen, und mögen da noch so viele Überwachungen, Absperrungen, Kontollmechanismen etc. eingeführt und ausgebaut werden.

Im Gegensatz zum letzten Blockupy, dem ja auch der M31 vorausging, und Occupy auch noch zugegen war, empfinde ich das dieses Jahr alles irgendwie “ruhiger”, ist aber einfach nur eine subjektive Wahrnehmung.

Posted by skFFM | 30. Mai 2013, 15:58 Reply to this comment

die innenstadt wird wegen allem möglichen gesperrt: jpmorgan-lauf, christopher-street-day, triathlon… so ist das halt in der großstadt; da findet sowas wie leben statt, und da muss das grundrecht auf konsumrausch halt mal zurücktreten.

und “garantieren, dass sich keine gewalttäter untermischen” kann bei veranstaltungen nie jmd. man denke bloß an den boston marathon. bomben können bei jeder großveranstaltung fliegen. und wenn ich an die demolierten ubahnen und sonstige gewaltexzesse bei diversen fußballveranstaltungen denke, dann finde ich sowas wie blockupy eher harmlos.

Posted by Mausflaus | 30. Mai 2013, 18:15 Reply to this comment

@mausflaus: ja, es gibt viele gründe warum eine großstadt abgeriegelt wird. meist aus freudigen gründen, gründen die von einer breiten mehrheit mitgetragen wird. blockupy ist eine veranstaltung die sich explizit gegen unsere stadt richtet, weil sie in den augen der veranstalter das herz des kapitalismus ist. wenn sich die damen und herren wirklich mit den auswirkungen eines kranken bankensystems beschäftigen würden, dann müssten sie in london demonstrieren, oder in athen und nikosia, dort haben die banken riesigen schaden angerichtet, der von uns ausgelöffelt wird.

blockupy ist keine sinnhafte veranstaltung, weil nichts erreicht wird. bei primark und h&m gehen die rollgitter runter und der umsatz geht leicht zurück, da muss dann zum ausgleich eben der näher in asien noch ein bisschen schneller arbeiten, damit der profit wieder stimmt. bei den banken haben die angestellten entweder von zuhause gearbeitet, oder aus anderen büros. blockupy wird nichts erreichen, solange es keine fundierten und vernünftigen dialog gibt, der darauf abzielt etwas realistisch zu ändern. einfach nur den kommunismus als staatsreligion auszurufen ist da wenig hilfreich und führt uns eher zurück in die steinzeit.

Posted by herr meier | 1. Juni 2013, 8:03 Reply to this comment

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Die Blockupy-Bewegung nimmt sich mit ihren Protestaktionen ein Recht heraus, das ihr nicht zusteht: Eine Minderheit darf einer Mehrheit nicht den Zugang zu Teilen ihrer Stadt verwehren oder erheblich erschweren, auch wenn das Anliegen der Minderheit legitim ist.

gilt  ·  seit 29.05.2013

Die Blockupy-Proteste werden keine realen politischen Veränderungen bewirken, weil sie keinen fundierten Dialog anstreben und die eigentlichen Entscheidungsträger im Bankensystem durch Absperrungen oder Heimarbeit kaum beeinträchtigt werden.

gilt  ·  seit 29.05.2013

Deutschland ist ein Staat, in dem jeder seine Meinung frei artikulieren kann; die Darstellung der Polizei als Instrument eines repressiven Staates durch linke Gruppen ist eine Übertreibung, die der Realität nicht entspricht.

gilt  ·  seit 29.05.2013

Die Blockupy-Bewegung schadet ihrer eigenen Sache, weil sie durch die Behinderung des städtischen Lebens mehr Menschen gegen sich aufbringt, als sie Unterstützer gewinnt.

gilt  ·  seit 29.05.2013

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