Likes gegen Wein: Warum die Sobersociety nur eine neue Form der Einsamkeit ist

Ein Mann in weißem Hemd sitzt allein an einem runden Tisch mit einem Glas Rotwein, während im Hintergrund eine Gruppe farbenfroh gekleideter Menschen in einer geometrisch abstrakten, urbanen Umgebung steht. Das Gemälde symbolisiert Einsamkeit und gesellschaftliche Distanz trotz scheinbarer Nähe – eine visuelle Metapher für den Wandel von traditioneller Geselligkeit zu moderner Isolation.

The Economist wies in einem Artikel darauf hin, dass mit abnehmendem Weinkonsum das fröhliche Zechen in einer Runde gleichgesinnter Mitmenschen – der Stammtisch – vom Aussterben bedroht ist. Die GenZ verstärkt diesen Trend, indem sie Alkohol nicht nur meidet, sondern als Symbol einer überholten Ära betrachtet. Doch was passiert, wenn Männer sich nicht mehr zu Steak und Malbec, sondern zu Ingwerwasser und Ofengemüse treffen?

Die Antwort ist ernüchternd – im wahrsten Sinne des Wortes. Der traditionelle Stammtisch wird nicht etwa durch neue Formen der Geselligkeit ersetzt, sondern durch eine Art öffentliches AA-Treffen: Gesundheitszirkel, die sich wie Selbsthilfegruppen anfühlen und die Spirale der Selbstoptimierung weiterdrehen – ohne zu hinterfragen, wohin sie führt.

Doch was wirklich bleibt, ist kein triumphierender Gesundheitskult, sondern ein einsames Bild: der allein trinkende Mann. Verstoßen von der neuen Nüchternheitsbewegung, sitzt er am Bistrotisch wie ein Relikt aus Hemingway-Tagen – nicht auf einem Boot im offenen Meer, sondern in einer Sobersociety, deren perfekt kuratierter Instafeed nur eine Illusion von Gemeinschaft schafft.

Es ist das traurige Porträt einer Gesellschaft, die sich in ihrer eigenen Reflexion verliert – eine Gesellschaft, die nur eine Meinung duldet: die eigene. Denn für die Bubble ist der einsame Trinker der lebende Beweis ihrer Überlegenheit. Er ist allein, sie sind viele. Doch wer ist hier wirklich isoliert?

Vielleicht wartet der Mann nur auf seine Kumpels, die sich noch nicht trauen, gegen den Strom zu schwimmen. Vielleicht ist die Bubble nur der vorauseilende Gehorsam einer Aufmerksamkeitökonomie, die Likes mit Verbindung verwechselt – dabei sind sie nichts weiter als seelenlose Mittäterbekundungen. Und vielleicht, so die stille Frage, die über dem leeren Weinglas schwebt, ist ein Glas Wein in Einsamkeit manchmal mehr wert als ein Feed im kollektiven Datenrausch.

KI-Hinweis: Das Bild wurde mit KI erstellt. Ich bin ein großer Fan der Ära Neue Sachlichkeit und Bauhaus und habe mir daher einen entsprechenden Prompt gebaut und nutze diesen regelmäßig. Der Prompt zu diesem Bild lautet:

Zentral und streng symmetrisch komponierte Szene eines einzelnen Mannes an einem kleinen runden Bistrotisch, frontal dargestellt, sachlich distanziert. Der Mann ist gut gepflegt, Mitte fünfzig, mit grau-blonden Haaren und einem präzisen Drei-Tage-Bart. Er trägt ein weißes Hemd ohne Krawatte, Bluejeans und schwarze rahmengenähte Lederschuhe. Haltung aufrecht, ruhig, kontrolliert; der Blick leer, aber nicht traurig. Vor ihm ein halb gefülltes Weinglas, scharf konturiert, unbewegt. Der Hintergrund zeigt eine abstrahierte urbane Szenerie: geometrisch angeordnete Menschengruppen in enger Nähe, jedoch ohne Interaktion. Dokumentarische Kälte, latente Spannung zwischen individueller Isolation und kollektiver Präsenz. Ölmalerei mit harter Pinselführung, fotografische Präzision, konstruktivistische Ordnung. Beton, Glas, Stoff und Leder klar texturiert

Parameter:
Instagram Editorial, quadratisches Format 1:1, Neue Sachlichkeit, dokumentarischer Realismus mit Bauhaus-Anmutung, Farbpalette strikt in lauten, fröhlichen Rot- und Gelbtönen, hohe Kontraste, keine Weichzeichnung, zentrale Komposition

(Visited 4 times, 4 visits today)